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Die Onlineausgabe der Kulturzeitung der Bayerischen Theaterakademie

Rent – Lebt zum zweiten Mal wie am letzten Tag Diesen Artikel ausdrucken

Geschrieben von Nicole Baumann  am  2. April 2010

Obwohl es den Dozenten der Theaterakademie nicht um Außenwirkung geht, finden die

(Foto: A.T. Schaefer)

Produktionen, die sie mit ihren Studenten erarbeiten, immer wieder großen Anklang. Nicht nur beim Publikum, auch bei Kritikern und Theatermachern. Die Akademieproduktion von Peter Eötvös’ Oper „Tri Sestri“ wird 2011 für drei Vorstellungen an die Staatsoper Berlin gehen, „Die Nacht“ von Einar Schleef wurde 2008 bei der RuhrTriennale gezeigt. Die Produktion „Rent“ des Studiengangs Musical wird nun im Deutschen Theater aufgeführt.

„Welche Entwicklung will ich von dieser Person sehen im Rahmen des Diploms?“ Das ist der erste Gedanke von Vicki Hall, die den Studiengang Musical an der Theaterakademie leitet, wenn sie über mögliche Besetzungen für die Abschlussproduktion des Studienganges nachdenkt. Gegen das Musical „Rent“ von Komponist und Autor Jonathan Larson, das eine moderne New Yorker Adaption des „Bohème“-Stoffes ist, hatte sie sich lange gewehrt. Sie mag Rockmusik nicht. „Wegen des Bandklangs, die Stimmen verschwinden darin“, bedauert die Opernsängerin.

Diskussionen folgten, doch das Ergebnis überzeugte sie. Von dem Zeitpunkt an, als sie ihre Studenten ausgewählt hatte und sie beobachtete, wie sehr diese ihre Rollen mit Gedanken und Gefühlen zu füllen vermochten, berührte es sie: „Ich habe jedes mal geheult, weil es so schöne Moment zwischen den Studenten gab.“

Diese besondere Leistung haben auch die Verantwortlichen des Deutschen Theaters zu überzeugen gewusst. Nun wird „Rent“ auch die Abschlussproduktion für den Jahrgang 2010 sein. Studenten beider Jahrgänge teilen sich die 16 Aufführungen und spielen alternierend. Die Proben nehmen sechs volle Wochen ein. Dies stellt hohe Anforderungen an die Professionalität der Studenten, die auch noch den Unterricht zu absolvieren haben.

„Es gibt in München die Chance, ein Publikum für anspruchsvolles Musical aufzubauen“, kommentiert Vicki Hall und legt daher großen Wert darauf, im Bezug auf die Stückauswahl weiterhin absolut unabhängig zu bleiben. Außerdem ist es schwierig, in Deutschland gute Regisseure für Musical zu finden. Es gibt nicht viele, die sich darauf spezialisiert haben. Aber aufgrund der Möglichkeit, interessante Stoffe umzusetzen und mit den jungen Darstellern zu arbeiten, besteht Interesse. Hall betont, dass die Akademie nicht so gut bezahlen kann wie ein Staatstheater, aber „wer mit Studenten arbeiten möchte, dem geht es nicht so sehr ums Geld.“

Auch Klaus Zehelein, Präsident der Theaterakademie, ist stolz auf seine Musicalstudenten. Er sieht einen absoluten Vorteil darin, dass die Akademie kein Repertoirebetrieb ist und sich dadurch eine andere Situation des Nachdenkens über Stoffe ergibt. Nicht die gängigen Musicals müssten gespielt werden, sondern die neueren Stücke. In „Rent“ aus dem Jahre 1996 erkennt er ein sehr gutes Stück mit einem ausgezeichneten Buch. Im Vergleich zu Puccinis „La Bohème“, erscheine es ihm aber „beinahe als das ältere Stück“.

Über die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Theater äußert sich Klaus Zehelein begeistert. „Beide, die sich daran beteiligen, werden Vorteile haben. Dass die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Theater jetzt greifbar wird, das hat mich sehr gefreut.“ Natürlich sei die Akademie nicht dazu verpflichtet, sich permanent dem Publikum vorzustellen. Es sei erfreulich, wenn es dadurch etwa zu Spenden oder neuen Förderern käme, aber das sei nicht der Endzweck. Außerdem sei keine Konkurrenz mit den Repertoiretheatern beabsichtigt. Dass die Akademie konkurrenzfähig ist, hat sie jedoch durch die Übernahme von „Rent“ an das Deutsche Theater bewiesen. Es ginge vor allem darum, dass die Studenten am Ende ihrer Ausbildung Erfahrungen mit dem realen Spielbetrieb machen und erste Kontakte in ihrer späteren Berufswelt knüpfen können.

Für die Zukunft gibt es noch keine Pläne, aber interessante Ideen. Auch für Zehelein steht fest, dass sich hier eine Möglichkeit auftut, das moderne Musical zu fördern und spezifischer auswählen zu können als die großen Theater. Für ihn müssen die Belange der Ausbildung und der Ästhetik zusammentreffen, so dass, wie im Falle von „Rent“, die Qualität des Stoffes und dessen Umsetzung in einer überzeugenden Produktion aufgehen.

In Zukunft werden deutsches Theater und Theaterakademie coproduzieren. Die Premiere wird im Deutschen Theater stattfinden, was eine Aufwertung für die Abschlussproduktion der Musicalabteilung bedeutet.

Der Musicalzweig ist für Zehelein ein starkes Standbein unter den Studiengängen. Zehelein räumt ein, dass die Tendenz eindeutig dahin geht, dass auch klassisch ausgebildete Schauspieler singen und sich bewegen können müssen. Das zeigte sich auch beim Bundesgesangswettbewerb 2009 in Berlin, wo fünf Teilnehmer der Akademie Preise errangen. Den ersten Platz im Fach Chanson machte Gisa Flake, eine Schauspielstudentin der Akademie, den zweiten Preis erhielt Sebastian Strehler, Abschlussjahrgang Musical 2010. Zehelein: „Da zeigt sich schon ein bestimmtes Niveau“.

Nicole Baumann

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Die Premiere findet am Samstag, den 9. April statt.

Weitere Informationen findet man hier.

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