
Szene aus dem Fernsehspiel "Das Halstuch", das Harals Krewers adaptiert hat für eine dreistündige Hörspielproduktion des Krimis. Foto: Picture Alliance
Eine archaische Geschichte erzählt Francis Durbridge in “Das Halstuch”. Jedenfalls, wenn man sie unter dem kriminaltechnischen Aspekt betrachtet. Allenfalls nach Fingerabdrücken nämlich kann Kriminalinspektor Harry Yates suchen lassen – und muss doch oft genug froh sein, wenn wenigstens ein Stiefelabdruck eine vage Spur hinterlässt. Entsprechend bekommt Yates mehr Zeit auf der medialen Ebene für seine Ermittlungen in diesem Mordfall: Satte drei Stunden dauert das Hörspiel. Es basiert auf dem gleichnamigen Fernsehspiel, wie TV-Movies in den sechziger Jahren noch hießen. Damit gehört “Das Halstuch” zugleich einem Subgenre des Hörspiels an, das es längst nicht mehr gibt: Denn im Fernsehen sucht sich das Radio schon lange nicht mehr seine Geschichten.
Für seine Zeit war es ein verwegenes oder zumindest progressives Stück mit durchweg emanzipierten Frauenfiguren und einer gewissen Weltläufigkeit. Heute ist an ihm nichts mehr modern: Der Kommissar ist weder an der Seele verwundet noch sozial labil, an dem Mord an einer jungen Frau in einer britischen Kleinstadt lässt sich auch keine gesellschaftliche Tendenz ablesen. Es ist schlicht ein geschickt gebauter, spannender Krimi, dessen einziges Ziel die Überführung des Täters ist. Inzwischen lebt die Inszenierung zusätzlich vom Charme des Überkommenen. Aus diesem Kalkül heraus hat nun, nachdem der Hörverlag seit einigen Jahren bereits Durbridges Paul-Temple-Hörspiele erfolgreich neu auflegt, der Audio Verlag Das Halstuch nachgereicht, ursprünglich eine Produktion des WDR.
An Harald Krewers Inszenierung ist bemerkenswert, wie er den Raumklang einsetzt: Nicht nur die Sprecher bewegen sich im Raum, auch der Zuhörer stromert gewissermaßen neugierig darin herum, so dass mitunter Gespräche unterschiedlich deutlich zu hören sind, obwohl sich die Figuren nicht vom Fleck bewegen. Die Besetzung ist im Übrigen identisch mit der des sechsteiligen Fernsehspiels: Heinz Drache begegnet einem wieder, in einer kleineren Rolle als Vikar auch Horst Tappert. Überzeugender noch sind die Frauen: Eva Pflug, Margot Trooger, Erica Beer, die mit großer Spiellust die Ränke ihrer Figuren schmieden. Stefan Fischer
Francis Durbridge: “Das Halstuch”. Der Audio Verlag, Berlin 2010. Produktion: WDR. 3 CDs, 198 Minuten, ca. 19,99 Euro.