Nadir Taraki wird zunehmend unsympathisch. Das ist erfreulich. Der verdeckte Ermittler ist die Hauptfigur in den „ARD-Radio-Tatorten“ des WDR; anfangs hat Baki Davrak die Rolle gespielt, er wurde im Februar abgelöst von Mark Waschke. Dessen erster Fall, „Testosteron“, war ein schwacher. Die Figur Taraki sollte sich durch die Neubesetzung weiterentwickeln, hat dadurch aber eher an Kontur verloren.
Waschkes zweiter Einsatz macht die dramaturgische Irrfahrt von Anfang des Jahres vergessen. Das liegt sicherlich auch an Thomas Koch, der das Krimihörspiel „Warlords“ geschrieben hat. Der einzel- und draufgängerische Taraki ist ruppiger als jemals zuvor, nicht nur Verbrechern und Vorgesetzten gegenüber. Auch Kollegen und selbst seine Freundin Sima leiden mehr denn je unter seiner Unnahbarkeit, seiner Arroganz, seiner Gereiztheit, seiner Präpotenz. Die kriminellen Milieus, in denen sich Nadir Taraki zu Ermittlungszwecken bewegt, haben inzwischen deutlich auf den Polizisten abgefärbt. Das macht Taraki zu einer spannenden Figur. „Warlords“ erzählt – angesiedelt im Schatten der Brüssler EU-Bürokratie – von Menschenhändler und von Subventionsbetrügern, in deren Revierkämpfen die Polizei weniger Ordnungsmacht ist als involvierte Partei.
Wodurch unterscheiden sich dann aber die Ermittler noch von den Kriminellen, wenn Methoden oder sogar Motive einander immer ähnlicher werden? An Tarakis ambivalenten Charakter kann man das ersehen. Stefan Fischer
Auf www.radiotatort.ard.de kann der Radiotatort “Warlords” noch bis 22. September als Stream gehört oder auch downgeloaded werden.