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Die Onlineausgabe der Kulturzeitung der Bayerischen Theaterakademie

Alles wird gut Diesen Artikel ausdrucken

Geschrieben von Maximilian Theiss  am  6. September 2010

Foto: Koopmann

Warum ausgerechnet die oberbayerische Kreisstadt Weilheim eine international so renommierte Hochburg der musikalischen Independent-Szene ist, weiß niemand. Seit etwa zwanzig Jahren schon formiert sich eine Handvoll Weilheimer Musiker immer wieder zu neuen Bands, deren Musik unter anderem mal als Elektropop, mal als Indietronic, mal als Intelligent Dance Music bezeichnet wird. Zu den prominentesten Weilheimer Formationen gehören The Notwist, das Tied & Tickled Trio, Console und Lali Puna. Letztere gilt sogar als Lieblingsband von Thom Yorke, dem Sänger von Radiohead.

Nach sechs Jahren Pause hat Lali Puna nun ein neues Album veröffentlicht, das den Namen Our Inventions trägt. Der Titel des ersten Songs, Rest Your Head, kann fast schon als Aufforderung verstanden werden, der Zuhörer möge den Kopf zurücklegen und sich selbst vergessen. Ganz gleich, welche Widrigkeiten der Tag so mit sich gebracht haben mag – alles wird gut. Dass man das tatsächlich glaubt, liegt nicht nur an den einlullenden Keyboardklängen von Markus Acher und Christian Heiß und deren minimalistische Melodien und Harmonien, sondern auch am Gesang von Valerie Trebeljahr.

Sie vermag zwar eindrucksvoll unter Beweis zu stellen, dass sie über einen großen Stimmumfang und eine beachtliche Klangfülle verfügt, doch die schönsten Momente auf Our Inventions sind zweifelsohne stets, wenn sie das Gegenteil davon macht, wenn sie also mit zarter, kaum vernehmbarer Stimme scheinbar belanglose Melodien vor sich hinträllert. Ebenso wie die Musik sind auch die Songtexte stark minimalistisch geprägt, bestehen meist nur aus wenigen Versen, die Trebeljahr gebetsmühlenartig wiederholt. Die Texte trivial zu nennen, würde ihnen gleichwohl mitnichten gerecht werden.

Sie sind teilweise sogar durchaus witzig, etwa beim Song Our Inventions, in welchem über Vögel sinniert wird, die sommers in den Bäumen sitzen und die Melodien von Handy-Klingeltönen nachpfeifen – ein Phänomen, das in den letzten Jahren vermehrt in städtischen Gebieten wahrgenommen wurde und die Errungenschaften unserer Erfindungen in ein ganz anderes Licht rückt.

Erstaunlich an Our Inventions ist, wie vielseitig ein einziges Stimmungsbild ausgestaltet werden kann. Zu den süßlichen, manchmal ein wenig glatten Elektronikliedern gesellen sich Nummern, die von kräftigen, stellenweise gar brachialen Rhythmen des Schlagzeugers Christoph Brandner geprägt sind. Move On etwa beginnt mit Dancehall-Beats und Sprech-gesang. Doch ehe der Zuhörer zur Gänze aus seinem angenehmen Dämmerzustand zurück in die raue Realität der Maschinen- und Motorengeräusche zurückbeordert wird, sorgen Glockenklänge und eine beschwichtigende Valerie Trebeljahr dafür, dass doch noch alles noch in Ordnung ist.

Ein Meilenstein der Independent-Musik sind die zehn neuen Lieder vermutlich nicht, doch sind sie mit Sicherheit kleine musikalische Juwelen. Denn Lali Puna gelingt die Quadratur des Kreises: Leichte, eingängige Lieder zu produzieren, die gleichzeitig vielschichtig, aufwändig und komplex ausgestaltet sind. Was aber passieren kann, wenn der Zuhörer dem Anfangstitel zu sehr Rechnung zollt und sich kopflos in die kuschelweiche Welt von Our Inventions verliert, kann man im Videoclip zu That Day sehen. Kreiert wurde es von der Londoner Produktionsfirma Passion Pictures, die unter anderem für die Videoclips der Comicband Gorillaz verantwortlich zeichnet.

Auch für den Song von Lali Puna wurde ein Clip in zweidimensionaler Scherenschnitt-Optik entwickelt. Darin verliert ein Mädchen seinen Kopf und macht sich auf die Suche, um ihn wieder zu finden. Denn ohne Kopf macht das Leben keinen Spaß. Der brühwarme Kaffee kann nicht mehr getrunken werden, die Lektüre der Zeitung erweist sich als unmöglich, und telefonieren geht schon mal gleich gar nicht. Die Suche nach dem verlorenen Körperteil führt sie zu einem Bären, dem das Mädchen sein Problem schildert. Kurzerhand überlässt er dem Mädchen seinen Kopf, da der Bär darunter noch einen zweiten hat, und alles ist wieder in bester Ordnung. Maximilian Theiss

Lali Puna: Our Inventions. Morr Music, Berlin 2010

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Ein Kommentar zu “ Alles wird gut ”

  1. Martin Gah schrieb

    Obwohl Elektro nicht meine Musikrichtung ist, hat mich der Artikel neugierig gemacht.

    Vielen Dank.

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