Kopflos wirkt es, wie sich Prinz Kalaf plötzlich dazu entschließt, um Turandot, Tochter des Kaisers von China darselbst, zu werben. Übereilt, irgendwie, und bei näherer Überlegung sogar reichlich unklug. Alle, die bisher dem Charme dieses spontanen Einfalls erlegen sind, kehrten nicht mehr zurück aus dem Palast von Peking, in dem der Kaiser und das störrische Prinzesschen residieren. Der Grund ist ein kleines Ratequiz, das Turandot mit dem Gatten in spe zu veranstalten beliebt – und wer verliert, stirbt. Soweit die Situation in Schillers tragikomischem Märchen. Der aufmerksame Leser hat erkannt: Das alles klingt ja nach einer Mischung aus « Herzblatt », « Dschungelcamp » und « Wer wird Millionär! » Harter Überlebenskampf, gepaart mit großen Gefühlen und gutem Allgemeinwissen. Wohlan: Bühne frei für Glitzer und Glamour, für Hochspannung und suspense. Bühne frei für « Tot oder Turandot »! Bitte klatschen Sie jetzt.
Doch wie das oft so ist mit großen Showereignissen, klingt alles immer erst ganz spannend, und bei den Backstagereportagen wird dann umgeschaltet. Wer will schon Kandidat Kalaf beim Duschen sehen, oder die Showgirls beim Abrocken? Aber irgendeiner muss mal wieder die Fernbedienung verlegt haben, und so zieht sich alles gehörig in die Länge an diesem Abend im Residenztheater. Die Aufmerksamkeit ist längst anderswo, beispielsweise bei der Frage, ob die eingespielte Arie Puccinis « Nessun dorma », zu deutsch « Keiner schlafe », eigentlich eine versteckte Drohung des Regisseurs (Jens-Daniel Herzog) an das Publikum übermitteln soll. Und muss man zwei Stunden schlechte Unterhaltung bieten, um schlechte Unterhaltung zu thematisieren? Wie war das nochmal mit der Welttournee von Paul Potts ? Könnte man dafür nicht eventuell die Ausstattung und das Konzept der Turandot-Show… Doch was ist das? Gerade wird geheiratet! Da hatte die stolze Königstochter wohl ein Einsehen mit dem armen Tor. Die Liebe hat gesiegt, und endlich können alle schlafen gehen.
Unter den Hochzeitsgästen befand sich übrigens auch Kandidat Nr. 10, der Vorgänger Kalafs. Kopflos, natürlich.
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Eva Mackensen