Acht Jahre mussten seine Fans auf neues Material von ihm warten. Und das Warten hat sich gelohnt. Auf seinem ersten Solo-Album „Habe die Ehre“ zeigt Günther Sigl, Sänger und Songschreiber der Spider Murphy Gang, viele originelle Facetten. Besonders kreativ ist er sich auf dem weiten Feld der onomatopoetischen Lautschöpfung: Zu den – den Spider-Fans bereits vertrauten – „uh la la“ und „dü düp düp“ gesellen sich das „di-dudel-wap“, das „saba-diba-dudey“ und das „jodel-hey-dudel-dey“. Nicht zu vergessen das „möckl-di-möck“. Denn das ist das einzige, was sich auf Küblböck reimt. Mit dem rechnet Sigl ab. Zugegebenermaßen sieben Jahre zu spät, dafür aber umso gründlicher: „Der Schrille mit der Brille ist der große Zampano/ sogar im Dschungel macht der Typ/ ne affengeile Show!“
Der Solo-Sigl ist jazziger und hochdeutscher als der Spider-Sigl. Mit „7 Tage Paris“ parodiert er sogar die deutschen Gesangsversuche des Gilbert Bécaud. Auf die Mitglieder seiner Gang möchte er trotzdem nicht ganz verzichten. Willie Duncan zeigt eindrucksvoll, warum ihn sein Kollege Barny Murphy für den besseren der beiden Spider-Gitarristen hält. Schon beim Opener „Bella Italia“ umspielt er Sigls Gesang mit phantasievollen, luftig-leichten Läufen, die das gesamte Album schmücken. Der Percussionist Dieter Radig, Gastmusiker bei den Unplugged-Konzerten der Spider Murphy Gang, verwendet Palmwedel als Drumsticks und erzeugt damit einen ungewöhnlich spitzigen und hellen Sound.
Einziger Wermutstropfen: die fünf langsamen Nummern. Hier wird der wohlbereitete Klang-Teppich zu einem schwammigen Boden, der so mühsam dahin fließt wie zäher Schleim. Dabei hätten die meist originellen Texte der Balladen eine bessere musikalische Umsetzung verdient. Bei „24 tausendmal“ zeigt sich die alte Affinität zu Themen aus dem Rotlicht-Milieu: „Ich werd’ nie wieder in den Leierkasten gehen,/ auch beim Pokern wirst Du mich nie wieder sehen/ (. . .) 24 tausendmal versprochen,/ 24 tausendmal gebrochen“.
Aber eine gelungene Low-Beat-Nummer gibt es doch: „Sommer 69“, die sentimentale Erinnerung an ein „Hippiemädchen mit dem Tambourin“, musikalisch in Zigeuner-Moll angelegt. Allerdings klingt Sigls Stimme bei diesem Stück etwas erkältet. Trotzdem lässt sich das Hutziehen auf dem Cover guten Gewissens erwidern. Habe die Ehre, Herr Sigl! Martin Gah
Ein gelunger Artikel, der Lust macht, sich das Album anzuhören. Vielen Dank.