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Die Onlineausgabe der Kulturzeitung der Bayerischen Theaterakademie

Rauchige Harmonien Diesen Artikel ausdrucken

Geschrieben von Claudio Musotto  am  18. März 2011

Zwei Jahre sind seit Adeles Debütalbum „19“ vergangen, für das sie zwei Grammys gewann. Deshalb heißt ihr neuer Longplayer nun „21“. Die sympathische und pummelige Britin im Schlabberlook hat in Deutschland vor allem durch Lena Meyer-Landruts Interpretation von „The Same“ bei „Unser Star für Oslo“ an Popularität gewonnen.

Mit „21“ beweist Adele, dass sie sich weiterentwickelt hat, gleichzeitig aber die authentische Künstlerin geblieben ist, die ihre Fans lieben. Und dafür braucht sie weder die Hilfe einer deutschen Eurovision-Songcontest-Gewinnerin noch ständige Retro-Soul-Vergleiche mit ihrer Labelkollegin Duffy oder der Skandalnudel Amy Winehouse.

Bereits die ersten beiden Lieder lassen einen neuen Sound erkennen. Bei „Rolling the Deep“, der ersten Singleauskopplung, die von Paul Epworth produziert wurde, wie auch bei „Rumour has it“ (vom Komponisten Ryan Tedder von One Republic) kommt mehr Schlagzeug zum Einsatz, als man es vom Vorgängeralbum gewohnt ist. Das sorgt für mehr Tempo, das gar zum Tanzen einlädt und wunderbar mit ihrer rauchigen Stimme harmoniert. Vier Songs wurden vom Def-Jam-Recordings-Gründer Rick Rubin produziert. Der Rock-Country-Metal-HipHop-Produzent war für The Gossips „Music for Men“ verantwortlich. Ebenso für Alben von Kid Rock, AC/DC, Jay-Z und Shakira. „He won’t go“ zeigt, dass die Gratwanderung zwischen neuen Pop-Elementen und Adeles Eigenheit – simple Stilmittel wie Chorgesang, Klatschen und Rasseln – äußerst gelungen ist. Sie ist sich treu geblieben, lässt sich nicht reinreden, und kommt weiterhin ohne Sex, Glitzer und Glamour aus. Vielleicht der größte Erfolg des Albums. „Ich treffe alle Entscheidungen in meiner Karriere selbst. Ohne Ausnahmen“, sagte sie jüngst in einem Interview.

Kräftige und gefühlvolle Balladen wie „Don’t you remember“ und „Set Fire to the Rain“ zeigen ihr Stimmvolumen. Erinnern an das Gefühl einer Norah Jones, mit mehr Kratzen in der Stimme. Lassen zurück denken an „Chasing Pavements“ and „Hometown Glory“ – eine Hommage an ihre Heimatstadt London –, mit denen sie bewies, dass ein großes Soulwunder aus einem Londoner Vorort in ihr steckt. Die Texte, allesamt aus Adeles Feder, handeln weiterhin von Liebe und allem, was dazu gehört. Das mag dann vielleicht auf „23“ etwas erwachsener werden.

Das letzte Lied, „Someone like you“, singt sie mit so viel Gefühl und Soul, nahezu Weltschmerz, dass der Song für Gänsehaut sorgt und beweist, dass elf Titel zu wenig sind. Claudio Musotto

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