Wie schön es wäre, für immer Kind zu sein, davon erzählt James Matthew Barries “Peter Pan”. Die Geschichte des schrullig kauzigen Wesens aus dem Nimmerland, das nicht erwachsen werden will, Freunde aus der wahren Welt findet und dadurch erkennt, welche Chancen das Großwerden mit sich bringt, wird nun von Annette Raffalt am Wiener Burgtheater auf die Bühne gebracht.
Bernhard Klebers Bühnenbild zeigt dabei ein sehr düsteres Nimmerland. Auf der Drehbühne wechseln die Orte von der Nixenlagune zum Quartier der verlorenen Jungs bis hin zum Piratenschiff. Witzige Ideen wie das Kindermädchen der Familie im Hundekostüm, die Flugsimulation oder Nixen mit Riesen-Sonnenbrillen runden die Zauberwelt ab. Bei all den geheimnisvollen Kulissen, schnellen Szenenübergängen und akrobatischen Einlagen der Darsteller tritt die Poesie des Stoffes zeitweilig in den Hintergrund. So wirken einzelne Szenen lieblos aneinandergereiht, eher belanglosen Übergangsdialogen gewährt die Regisseurin mehr Raum als den anrührenden Momenten. Die Szene etwa, als sich die eifersuchtsgeplagte Fee Tinkerbell für ihren Schwarm Peter opfert und nur durch das Klatschen der vielen Kinderhände im Publikum wiederbelebt werden kann, gerät viel zu oberflächlich. Dabei liegen gerade in den emotionalen Szenen die Stärken des Ensembles. Markus Meyer in der Titelrolle gelingt es von Anfang an, durch seine Wandlungsfähigkeit und charmanten Gefühlsausbrüche die Kinder im Publikum von Pans Gutmütigkeit zu überzeugen. Meyer bewahrt die mysteriöse Aura seiner Figur, indem er deren innere Zerrissenheit nicht zu Ende spielt, sondern offen anbietet und es somit den kleinen Zuschauern überlässt, das Bild von Peter Pan individuell zu vollenden. Seine hyperaktive Energie überträgt sich dabei jedoch nicht auf den Großteil seiner Mitspieler. Liliane Amaut ist eine viel zu kopflastige und reife Wendy, das neugierige Kind will man ihr nicht abnehmen. Dietmar Königs Käpt’n Hook ist ein steifer, zurückgenommener, wenn auch streckenweise sehr böser Piratenboss, der sich im Zwiespalt zwischen Täter- und Opferrolle befindet, weshalb er am Schluss auch nicht in den Genuss der anerkennenden Buh-Choräle der Kinder kommt, sondern eher ratlos verabschiedet wird.
Der Star der Inszenierung ist von der ersten Minute an Mavie Hörbiger als missmutige Fee Tinkerbell. Ihre Darstellung des kleinen Fabelwesens kennzeichnet sich durch gläserne Zerbrechlichkeit, kalte Schärfe und leuchtenden Glanz. In Feensprache, einer Mischung aus Schwedisch, Englisch und Deutsch, brabbelt sie ununterbrochen, und obwohl kaum jemand im Theatersaal ihre Aussagen nachvollziehen kann, ist sie es, die den Kindern das meiste Lachen entlockt. Hanna Pfaffenwimmer