Der Witz ist solide. Zwei Pennäler zanken sich über die Kampfeskraft der Bundeswehr. Da sagt der Eine, voller Inbrunst: „Wir sind Deutsche, wenn wir Loser wären, hätten wir dann beide Weltkriege gewonnen?!“ Kann man mal machen. Aber dann der Andere, voller Unverständnis: „Wir haben die Weltkriege nicht gewonnen.“
Der Dialog entstammt der Komödie „(K)ein Bund fürs Leben“ von 2007. Auch der Trailer zeigt diesen Ausschnitt und damit, wer Publikum dieses Films ist. Leute, die entweder Stalingrad für eine Flaterateparty mit osteuropäischen Kaltgetränken halten und Leute, die ernsthaft der Meinung sind, man müsse der Jugend erklären, dass dem nicht so ist. Wehret der Ausgelassenheit. Der Trailer spricht also vor allem Schulabbrecher und Spießer an. Gruppen, zu denen man nicht zählen möchte und demnach auch nicht zur Zielgruppe dieses Films. Welcher, wenn man ihn sich doch ansieht, durchaus seine guten Momente hat. Zum Beispiel, wenn die Truppe, von Heißhunger getrieben, zum Drive-Inn-Schalter fährt, auf Ketten. Und dann . . . ach, lassen wir das. Schließlich ist bekannt, dass Witze nacherzählt in ihrer Humorlosigkeit nur noch von einer Sache getoppt werden können: Wenn man sie erklärt. Dass zerstört selbst die guten Pointen. „(K)ein Bund fürs Leben“ ist, dass sagt uns der Trailer, kein Film, den man gesehen haben muss.
Trailer sind eigenständige Erzählmomente. Sie funktionieren, weil sie Dinge preisgeben. Und nicht immer die von ihren Verantwortlichen intendierten. Von ihrem Mangel an Zeit zur Vereinfachung genötigt, stehen sie unter Selektionszwang. Nicht selten beantwortet ein Trailer die Frage, was das Wesen seines beworbenen Films ist. Ganz ungewollt. Zum Beispiel, wenn der Dame anfangs der Absatz abbricht und sie am Ende gewandelt vor einem hübschen Jüngling steht. Der ihr das Gefühl gibt, sie für das zu lieben, was sie wirklich ausmacht. Das verweist auf einen ebenso biederen Film. Muss man nicht sehen, nächster Trailer.
Doch es gibt auch Trailer, die es schaffen, in ihren zwei Minuten ganze Welten zu bauen. Im Werbeclip zu „Little Children“ (2006) dröhnt der Zug aus der Ferne und umklammert Bilder des Alltags. Der Wind streicht über die Dächer. Eine Mutter liest unter einem Baum, während ihre Tochter auf der Picknickdecke spielt. Eine Familie beim Essen. Der Zug kommt näher, man sieht ihn nicht. Eine Spielzeugeisenbahn gleitet die Holzschienen entlang, eine männliche Hand gleitet eine schweißnasse Frauenschulter entlang. Der Trailer stellt eine Verbindung zwischen diesen Bildern her, die der eigentliche Film weniger leistet. Der Zug rast vorbei und die Bilder fliegen in hoher Schnittfrequenz aus der Bahn. „Coming soon“, weiß auf schwarz, und man hört das sanfte Rattern, wenn im Rhythmus ihrer Achsen die Bahn den Straßenübergang kreuzt, als sie sich wieder entfernt. „Little Children“? – will man sehen, nächster Trailer.
Trailern ihre Prägnanz oder Einfachheit zum Vorwurf zu machen, ist nicht zulässig. Es ist ihre Eigenart, im Wenig funktionieren zu müssen. Handwerk ist, was man draus macht. Da können keine Opern entstehen, aber auch ein guter Punksong hat seine Qualitäten. Zumal Trailer noch einen ganz anderen Vorteil haben, unabhängig davon, ob man sie als gelungen getrachtet. Sie sind Ritual.
Riten berichten von der Besonderheit. Ob der Einmarsch der Ministranten in der Kirche, das Warmmachen im Fußballstadion, das Einspielen im Orchestergraben: Überall schaffen die wiederkehrenden Abläufe die benötigte innere Einstellung für das Bevorstehende. Sich mit Lieblingsmusik und dem ersten Glas Wein im Bad einzuschließen, bringt manchmal mehr Freude als der anschließende Abend.
Trailer sind Vorfreude und soziales Miteinander. Weil der Trailer ein wesentliches Merkmal des Kinobesuchs gegenüber dem Wohnzimmer ist. Erst der Trailer macht das Kino zum Kinoerlebnis. Denn reden ist, im Gegensatz zum Hauptfilm, ausdrücklich erwünscht. Einen schwachsinnigen Catch-Phrase mit lauter Verachtung zu strafen, eine exzentrische Geste der Kenntnis anzulegen („Der spielt jetzt auch überall mit!?“) oder sich über eine erklärte Pointe lustig zu machen, ist dabei kein Makel, sondern Teil der Abmachung. Lukas Wilhelmi