<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>cult:online</title>
	<atom:link href="http://www.cult-zeitung.de/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.cult-zeitung.de</link>
	<description>Die Online-Ausgabe der Kulturzeitung der Bayerischen Theaterakademie</description>
	<lastBuildDate>Mon, 13 May 2013 15:18:11 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.2.1</generator>
		<item>
		<title>Kritik: Harald Rumpf feiert mit &#8220;Sommer, Winter, Sommer&#8221; Premiere beim DOK.fest 2013</title>
		<link>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/13/kritik-harald-rumpf-feiert-mit-sommer-winter-sommer-premiere-beim-dok-fest-2013/</link>
		<comments>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/13/kritik-harald-rumpf-feiert-mit-sommer-winter-sommer-premiere-beim-dok-fest-2013/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 13 May 2013 15:18:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Lauterbach</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[DOK.fest 2013]]></category>
		<category><![CDATA[Harald Rumpf]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Rosenberger]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.cult-zeitung.de/?p=4793</guid>
		<description><![CDATA[Im ländlichen Raum gibt es keine Sünde]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: justify;"></h1>
<h1 style="text-align: justify;">Im ländlichen Raum gibt es keine Sünde</h1>
<div class="mceTemp" style="text-align: justify;">
<dl id="attachment_4794" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px;">
<dt class="wp-caption-dt"><a href="http://www.cult-zeitung.de/wp-content/uploads/2013/05/DOKFEST_SOMMER__WINTER__SOMMER_6.jpg"><img class="size-medium wp-image-4794 " title="DOK.fest 2013: &quot;Sommer, Winter, Sommer&quot;" src="http://www.cult-zeitung.de/wp-content/uploads/2013/05/DOKFEST_SOMMER__WINTER__SOMMER_6-300x179.jpg" alt="" width="300" height="179" /></a></dt>
<dd class="wp-caption-dd">Kurze Pause. Foto: DOK.fest München</dd>
</dl>
</div>
<p style="text-align: justify;">„Mir daradn Schafkopfa und brauchn no an vierten Mann!“ Willkommen in Breitenberg: 30 Kilometer östlich von Passau liegt der beschauliche Ort mit seinen 2173 Einwohnern und mindestens genauso vielen Kühen, Schafen und Schweinen. Mittendrin: Michael Rosenberger. Seines Zeichens Landarzt in der niederbayrischen Provinz. Zweieinhalb Jahre wurde er von Regisseur Harald Rumpf begleitet. Herausgekommen ist ein Film zwischen Festen, Schafkopf und Wiederbelebung.</p>
<p style="text-align: justify;">Hausbesuche stehen an. Man kennt sich. Es werden Scherze gemacht und die letzten Vorkommnisse im Dorf diskutiert. Ruhig und gelassen Verbände gewechselt und über die Medikamente gesprochen. Zwischendurch trifft man sich auf ein Bier und eine schnelle Runde Schafkopf in der nahegelegenen Kneipe. Notfalls werden auch da die kleinen Wehwehchen behandelt.</p>
<p style="text-align: justify;">Rosenbergers Arbeit scheint angenehm und nicht allzu stressig zu sein. Einfühlsam und sympathisch wird er gezeigt. Immer für seine Patienten da. Immer ein lockerer Spruch auf den Lippen. So entgegnet er einer Rentnerin mit einer knackenden künstlichen Hüfte: „Wahrscheinlich ist die Garantie abgelaufen.“ Die Situation wird aufgelockert. Nichts läuft hier bierernst ab. Auch in den eigentlich erschreckenden Momenten, die die ländliche Idylle stark kontrastieren. Mehrere Male zeigt der Film eine Patientin, die sich mit einer Rasierklinge ihre Arme und Beine bis aufs Fleisch aufschneidet. Alle zwei Wochen muss Rosenberger chirurgisch eingreifen und scherzt dabei: „I gib da a Skalpell, wennst dafür vier Wochen nimmer kommst. Dann is da Schnitt wenigstens sauber.“ Beißender Sarkasmus. Er ist nötig.</p>
<p style="text-align: justify;">Denn vor allem als Notarzt im Bereitschaftsdienst muss man sich distanzieren. Eine Mauer zwischen dem Leiden und seinem Leben aufbauen. Von wegen angenehm und nicht stressig. Notdienst in der Nacht: Wiederbelebung. Gescheitert. Aber das Leben geht weiter. Immer wieder bricht der Film die amüsanten Patientengeschichten mit harter Realität. Das geht nahe, vor allem weil die Kamera nicht direkt draufhält.</p>
<p style="text-align: justify;">Es sind jedoch die schönen Momente, die einem im Gedächtnis bleiben. So wie der heimliche Held des Film: der kleine Philipp. Stets mit Strohhut und seinen roten Edelweiß-Hosenträgern anzutreffen, erklärt er warum es ihm lieber ist, den Rasen zu mähen (natürlich mit selbst geschärfter Sense), als auf dem Balkon die Landschaft zu genießen. Da verwundert es auch nicht, dass sein Traumberuf Bauer ist. Er erntet dabei nicht nur das Fressen für die Kühe, sondern auch jede Menge Lacher. Mitverantwortlich dabei ist das tiefste Niederbayrisch, dass Philipp spricht. Da fällt es auch einem geborenen Oberpfälzer schwer, dem Monolog ohne Untertitel zu folgen.</p>
<p style="text-align: justify;">„Sommer, Winter, Sommer – Ein Landarzt in Niederbayern“ lässt den Protagonisten nicht in seiner Arbeit verschwinden. Er wird in den schönen und schlimmen Momenten gezeigt und charakterisiert. Es wird ein Bild eines Menschen und seiner Gemeinde gezeichnet. Eingeschworen und idyllisch. Dennoch immer wieder eingeholt von der Realität.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Sebastian Lauterbach</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/13/kritik-harald-rumpf-feiert-mit-sommer-winter-sommer-premiere-beim-dok-fest-2013/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Kritik: Wolfram Huke und die Liebe in &#8220;Love Alien&#8221;</title>
		<link>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/13/kritik-wolfram-huke-und-die-liebe-in-love-alien/</link>
		<comments>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/13/kritik-wolfram-huke-und-die-liebe-in-love-alien/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 13 May 2013 12:33:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Constantin von Harsdorf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[DOK.fest 2013]]></category>
		<category><![CDATA[wolfram huke]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.cult-zeitung.de/?p=4786</guid>
		<description><![CDATA[Vom Suchen und Nicht-Finden der Liebe]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: justify;"></h1>
<div id="attachment_4787" class="wp-caption alignleft" style="width: 610px"><a href="http://www.cult-zeitung.de/wp-content/uploads/2013/05/DOKFEST_LOVE_ALIEN_1.jpg"><img class="size-large wp-image-4787 " title="DOK.fest 2013: &quot;Love Alien&quot;" src="http://www.cult-zeitung.de/wp-content/uploads/2013/05/DOKFEST_LOVE_ALIEN_1-1024x576.jpg" alt="" width="600" height="338" /></a><p class="wp-caption-text">Ein Außerirdischer? Foto: DOK.fest München</p></div>
<h1 style="text-align: justify;">Vom Suchen und Nicht-Finden der Liebe</h1>
<p style="text-align: justify;">„Jesus ist sicher keine Frau“, stellt Wolfram Huke gegen Ende des Films mit dem ihm eigenen Galgenhumor fest. Zu diesem Zeitpunkt hat er Quartier in einem österreichischen Kloster bezogen, um bei einem Glas Mineralwasser, von der so frustrierenden Welt da draußen abgeschottet, in seinen 30. Geburtstag zu feiern. Das Handy vibriert: Eine automatisierte Nachricht einer Münchner Single-Börse, die alles Gute wünscht und sich ganz herzlich für die treue Mitgliedschaft bedankt. Solche Anbieter können sich eigentlich keinen besseren Kunden vorstellen als Wolfram Huke: Trotz zahlreicher Versuche hatte er in seinem Leben noch nie eine Freundin und ist noch Jungfrau.</p>
<p style="text-align: justify;">In seinem autobiographischen Film „Love Alien“ nimmt Huke den Zuschauer ein Jahr lang mit auf seine Suche nach einer Partnerin. Eine der großen Stärken des Dokumentarfilms ist die entwaffnende Offenheit, mit der Huke zu Werke geht: Von dem allmorgendlichen Gang durch sein zugemülltes Zimmer, über Masturbation unter der Bettdecke bis hin zu Besuchen bei einer Psychotherapeutin enthält Huke dem Zuschauer kein intimes Detail vor. Dabei driftet sein Portrait allerdings nie in Selbstmitleid ab, sondern evoziert ehrliches Mitgefühl.</p>
<p style="text-align: justify;">Huke stilisiert sich nicht als chronisch missverstandenes Opfer und legt schicksalsergeben die Hände in Schoß. Vielmehr geht er sein Problem trotz zahlreicher Rückschläge von verschiedenen Seiten an und zeichnet dabei fast beiläufig ein entlarvendes Bild einer auch in emotionalen Belangen auf Hochleistung getrimmten Gesellschaft. So raten ihm etwa zwei offenbar mit „Germanys Next Topmodel“-sozialisierte Style-Beraterinnen, sich selbst als Marke zu betrachten, die es anderen schmackhaft zu machen gilt. Wieso sollten andere ihn sonst kaufen? Berechtigte Frage. An einer anderen Stelle registriert sich Huke bei einer Online-Partnerbörse: Anhand verschiedener Regler und Fragen soll er ein möglichst detailliertes Profil von sich erstellen. Eine Angabe ist etwa, ob er sich eher als attraktiv oder sympathisch einstufen würde. Beides scheint nicht möglich zu sein. Huke gelingt es auf seine ironische Art aus seiner für ihn tief schmerzhaften Situation immer wieder komische Funken zu schlagen.</p>
<p style="text-align: justify;">Trotzdem bleibt die emotionale Tragweite zu jedem Zeitpunkt spürbar. Huke registriert jede kleine Zärtlichkeit zwischen verliebten Paaren, sieht sich von der im Akkord arbeitenden Valentinstag-Maschinerie umstellt und steht auf einer ausgelassenen WG-Feier hilflos in der Ecke. Es sind bedrückende Momente, die seine Einsamkeit erfahrbar machen. „Love Alien“ demonstriert eindrucksvoll, welchem Druck ein Mensch ausgesetzt ist, der in irgendeiner Weise nicht einer gesellschaftlichen Vorstellung entspricht und sich dadurch an den Rand gedrückt fühlt. Dieser Druck geht in Hukes Fall sogar so weit, dass er sich selbst als „Außerirdischen“ bezeichnet. Er sieht aus wie ein Mensch, fühlt sich an wie ein Mensch, kommt aber von einem Planeten ohne Liebe und trotzdem wünscht er sich nichts sehnlicher als sie. Was könnte menschlicher sein?</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Constantin von Harsdorf</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/13/kritik-wolfram-huke-und-die-liebe-in-love-alien/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Kritik: Werner Herzog mit &#8220;Land des Schweigens und der Dunkelheit&#8221;, Marc Schmidt &#8220;Matthew&#8217;s Laws&#8221;</title>
		<link>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/12/kritik-werner-herzog-mit-land-des-schweigens-und-der-dunkelheit-marc-schmidt-matthews-laws/</link>
		<comments>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/12/kritik-werner-herzog-mit-land-des-schweigens-und-der-dunkelheit-marc-schmidt-matthews-laws/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 12 May 2013 11:37:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Arne Koltermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Aguirre]]></category>
		<category><![CDATA[DOK.fest 2013]]></category>
		<category><![CDATA[Fini Straubinger]]></category>
		<category><![CDATA[Jeder für sich und Gott gegen alle]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg Schmidt-Reitwein]]></category>
		<category><![CDATA[Marc Schmidt]]></category>
		<category><![CDATA[Mathijs van de Meer]]></category>
		<category><![CDATA[Werner Herzog]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.cult-zeitung.de/?p=4775</guid>
		<description><![CDATA[Wie zwei Filme von gestern und heute von Behinderung als Abweichung von der Norm erzählen]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: justify;"></h1>
<h1 style="text-align: justify;"></h1>
<h1 style="text-align: justify;">Paralleluniversen: Wie zwei Filme von gestern und heute von Behinderung als Abweichung von der Norm erzählen</h1>
<div id="attachment_4777" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.cult-zeitung.de/wp-content/uploads/2013/05/DOKFEST_LAND_DES_SCHWEIGENS_UND_DER_DUNKELHEIT_1.jpg"><img class="size-medium wp-image-4777" title="DOK.fest 2013: &quot;Land des Schweigens und der Dunkelheit&quot;" src="http://www.cult-zeitung.de/wp-content/uploads/2013/05/DOKFEST_LAND_DES_SCHWEIGENS_UND_DER_DUNKELHEIT_1-300x218.jpg" alt="" width="300" height="218" /></a><p class="wp-caption-text">Unterträgliche Einsamkeit. Foto: DOK.fest München</p></div>
<p style="text-align: justify;">Sie können nicht sehen, sie können nicht hören. Manche können sprechen. Die meisten können sich mitteilen. Irgendwie. Alle können sie: fühlen. Von taubblinden Menschen erzählt Werner Herzog, dem das Dok.Fest 2013 eine Retrospektive widmet, in „Land des Schweigens und der Dunkelheit“. 1971 hat er ihn mit Kameramann Jörg Schmidt-Reitwein gedreht. Heldin des Filmes ist Fini Straubinger. Sie hat die Welt einmal wie wir erlebt. Als junges, vitales, an der Welt interessiertes Mädchen fiel sie die Treppe hinunter. Ihrer Mutter sagte sie nichts, aus Angst vor Schlägen. In der Schule schrieb sie plötzlich über den Heftrand, bald sah sie gar nichts mehr. Irgendwann verstand sie ihre Mutter kaum noch, bis das Gehör vollständig abstarb. Was muss das für ein Schock gewesen sein! Wenn Fini Straubinger von ihrem Kummer erzählt – denn sprechen kann sie noch – dann fällt das Wort von der unerträglichen Einsamkeit. Was sie von anderen Taubblinden unterscheidet, ist die Ahnung vom Gestern, das sie einmal gekannt hat. Plastisch erinnert sie sich an einen Skispringer, dem sie einmal bei seinem Flug direkt ins Gesicht sehen konnte.</p>
<p style="text-align: justify;">Taubblinde verständigen sich durch das Lormen. Das sind so genannte taktile Gebärden: Mit den Fingerspitzen werden Buchstabenzeichen in den Handteller getastet. Mit einer übersetzenden Begleiterin unterstützt Fini Straubinger selbst Leute, die es noch schwerer haben als sie, unternimmt mit ihren Schicksalskameraden Ausflüge. Zu den Schimpansen im Zoo, in den botanischen Garten, setzt sich in ein Flugzeug. Wir können uns die Welt der Taubblinden nur als völlige Isolation, mithin den traurigsten aller Zustände, vorstellen. Doch Werner Herzog gibt uns eine Idee davon, dass diese Menschen leben, dass sie fühlen, dass sie von Zeit zu Zeit so etwas wie Glück empfinden. Ihre Sinne sind nicht gleichmäßig eingeschränkt – für die Menschen unter ihnen, die das Augenlicht noch nicht komplett eingebüßt haben, benützt Fini Straubinger einmal das schöne Wort Sehrestler. Doch es gibt auch taubblind geborene Kinder, denen sich die Kamera geradezu penetrant nähert. Durch diese Aufdringlichkeit entsteht auch etwas sehr Intimes.</p>
<p style="text-align: justify;">Herzogs mystisch aufgeladene Dokumentarfilme, gerne mit getragener klassischer Musik unterlegt, stellen immer auch aus, haben etwas Voyeuristisches. Aber als Kinogänger ist man nun mal Voyeur. Wenn man das Kino des Werner Herzog in ein Wort fassen müsste, böte sich Zusammenstoß an: Zwei Welten prallen aufeinander. Zivilisation und Wildnis in „Aguirre“, die Gesellschaft und der Ausgesetzte in „Jeder für sich und Gott gegen alle“. In „Land des Schweigens und der Dunkelheit“ ist dieser Zusammenstoß der Kommunikationsakt zwischen den herkömmlich Wahrnehmenden und den Eingeschränkten. Nicht immer gelingt er, und manchmal muss man sich mit einer Ahnung begnügen. Wenn Fini Straubinger zum Ende des Films einen vernachlässigten Mann aufsucht, kommt es noch einmal zu einem Ausbruch Herzogscher Poesie. Der Mann läuft auf einen Baum zu, erfühlt sich den Stamm, die Äste, die Zweige. Weltbegehren. Was er wohl denkt?</p>
<div id="attachment_4780" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.cult-zeitung.de/wp-content/uploads/2013/05/DOKFEST_MATTHEW_S_LAWS_3.jpg"><img class="size-medium wp-image-4780" title="DOK.fest 2013: &quot;Matthew's Laws&quot;" src="http://www.cult-zeitung.de/wp-content/uploads/2013/05/DOKFEST_MATTHEW_S_LAWS_3-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Uferloses Weltinteresse. Foto: DOK.fest München</p></div>
<p style="text-align: justify;">Vom Schicksal der Taubblinden ist Mathiijs weit entfernt, weiter noch als gewöhnliche Menschen. Im Gegensatz zu ihnen nimmt er zu viel wahr: Matthijs ist Autist, ein gleichsam übersinnlicher Mensch. Einer, der die Dinge durchdenkt, weil er es muss. Was er nicht kann: Den Dingen ihren Lauf lassen, ignorieren, sich nicht scheren. Der Begriff Behinderung trifft zu, schließlich hindern Matthijs die Zwänge, in einen geregelten Alltag zu finden. Zugleich scheint das Wort unpassend, schließlich ist es ja die Uferlosigkeit seines Weltinteresses, das ihn einsperrt. Die Kanäle schließen, das würde er sich wohl manchmal wünschen. „Matthew’s Laws“ („Te Regels van Matthijs“) heißt das Porträt von Marc Schmidt, Mathijs van de Meer heißt der Porträtierte. Ein Jugendfreund des Regisseurs, schwarzhaarig, grüblerisch, ein Lachen wie eine Maschinengewehrsalve. Ein hochbegabter Kopf, der allzu oft an Selbstmord denkt. Ein interessanter, zwanghafter junger Mann. Wenn er sich bedroht fühlt, verspannt sich sein Gesicht zu einer jähzornigen Grimasse, dann brüllt er gepresst, kommt dem Gegenüber beunruhigend nahe. Gewalttätig wird er nicht. Marc Schmidt begleitet ihn mit der Kamera in seiner Wohnung, das ist sein Universum. Ein ziemlich zugerempeltes Universum freilich, voller Werkzeug, Muttern, Schrauben, Krimskrams. Alle Orte außerhalb dieses Kosmos sind für Matthijs bloß Anhängsel. Ständig nimmt er Veränderungen an der Wohnung vor, legt Rohre frei, bohrt Löcher in die Wände. Er fühlt sich dabei im Recht, doch was er da tut, ist gefährlich. Sagen Hausverwaltung und Gericht. Tragischer wird es, als er durch ein Urteil hinaus geschmissen wird. Er akzeptiert schließlich eine Einweisung, heimisch wird er nirgendwo mehr. Der Film endet mit einer Nachricht auf Marc Schmidts Anrufbeantworter: „Matthijs hat es getan.“</p>
<p style="text-align: justify;">So verfolgen „Land des Schweigens und der Dunkelheit“ und „Matthew’s Laws“ zwar zwei vollkommen unterschiedliche filmische Ansätze: hier der große Leinwandmystiker Herzog, dort der einfühlsame Porträtist Schmidt. Gemein ist ihnen aber die Faszination für die Differenz, die nicht bloß als Behinderung schubladisiert wird. Die Erkenntnis, dass die für gesund Erkannten keineswegs die raffiniertesten Lebensentwürfe haben. Doch für die Welt zählt nur der Pragmatismus. Sich beschränken können auf das, was vor der Gesellschaft gilt: die gesunde Portion Mittelmaß.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Arne Koltermann</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/12/kritik-werner-herzog-mit-land-des-schweigens-und-der-dunkelheit-marc-schmidt-matthews-laws/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Kritik: Die Gulabi Gang eröffnet das 28. Dokumentarfilmfestival in München</title>
		<link>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/12/kritik-die-gulabi-gang-eroffnet-das-28-dokumentarfilmfestival-in-munchen/</link>
		<comments>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/12/kritik-die-gulabi-gang-eroffnet-das-28-dokumentarfilmfestival-in-munchen/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 12 May 2013 11:12:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Lauterbach</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[DOK.fest 2013]]></category>
		<category><![CDATA[Gulabi Gang]]></category>
		<category><![CDATA[Nishta Jain]]></category>
		<category><![CDATA[Sampat Pal Devi]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.cult-zeitung.de/?p=4769</guid>
		<description><![CDATA[Revolutionskampf in Pink]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: justify;"></h1>
<div class="mceTemp" style="text-align: justify;">
<dl id="attachment_4771" class="wp-caption alignleft" style="width: 610px;">
<dt class="wp-caption-dt"><a href="http://www.cult-zeitung.de/wp-content/uploads/2013/05/DOKFEST_GULABI_GANG_1.jpg"><img class="size-large wp-image-4771  " title="DOK.fest 2013: &quot;Gulabi Gang&quot;" src="http://www.cult-zeitung.de/wp-content/uploads/2013/05/DOKFEST_GULABI_GANG_1-1024x506.jpg" alt="" width="600" height="296" /></a></dt>
<dd class="wp-caption-dd">Kampfbereit! Foto: DOK.fest München</dd>
</dl>
</div>
<h1 style="text-align: justify;"></h1>
<h1 style="text-align: justify;">Revolutionskampf in Pink</h1>
<p style="text-align: justify;">Sie gehen durch die staubigen Straßen und Wege. Mit der Anführerin Sampat Pal Devi an der Spitze marschieren die Anhänger der Gulabi Gang zu einem stillen Plätzchen. Von Feldern umgeben setzen sich die 30 Frauen. Mit welchen Problemen wurden sie in der letzten Zeit konfrontiert? Wie können sie sich wehren? Es herrscht betrübte Stimmung in der Runde. Kein Wunder, wenn man sich die Situation der Frauen in Indien ansieht. Doch die Gang versinkt nicht in Selbstmitleid, sondern wird ihrem Namen gerecht. Mit Stöcken bewaffnet diskutieren sie, wie sie sich in kritischen Angelegenheiten wehren können. Die Stimmung steigt. „Komm, zeig, was du machen würdest!“, ertönt es von Sampat. Die Kollegin steht auf und schwingt ihren Holzstock. Jemand anderes steigt mit ein. Selbstbewusst und furchtlos wirken sie. Mit einem Holzschwertkampf als Vorbereitung für wirklich kritische Situationen endet die Anfangsszene.</p>
<p style="text-align: justify;">In den Dörfern und Provinzen außerhalb der großen indischen Städte hat sich eine Frauenbewegung etabliert, die mittlerweile mehrere zehntausend Mitglieder verbucht. Die 1958 geborene Gründerin Sampat Pal Devi rief die Aktivistengruppe vor sieben Jahren ins Leben. Der Name leitet sich aus dem Hindi ab und bedeutet Pink. Und genau wie Gang ist auch Pink nicht nur wörtlich zu verstehen. Jedem neuen Mitglied wird eine pinke Sari überreicht, die bei offiziellen Treffen und Projekten getragen werden soll.</p>
<p style="text-align: justify;">Regisseurin Nishtha Jain begleitet Sampat bei ihrem Kampf gegen patriarchalische Windmühlen. Neben regelmäßigen Treffen wirbt die Aktivistin für ihre Vereinigung und rekrutiert neue Mitglieder. Abgesehen davon sieht man Sampat auch in privaten Angelegenheiten, die aber natürlich immer einen frauenrechtlichen Hintergrund aufweisen. Sie wird zum Beispiel zu einem Tatort gerufen, an dem eine Frau verbrannt aufgefunden wurde. Für Sampat ist klar, was hier vorgefallen sein muss: Der Mann des Opfers hat sie in Brand gesetzt. Die Männer des Dorfes jedoch schweigen oder erfinden die haarsträubendsten Ausreden. Der Vater der Verstorbenen zeigt sich wenig betrübt und teilnahmslos. In der nächstgelegenen Polizeistelle sagt der Beamte nur, dass er nichts machen kann und auch nicht wird. Schließlich haben der Mann, der Vater und alle anderen Bekannten und Verwandten den Vorfall als Kochunfall beschrieben. Ein Schlag ins Gesicht.</p>
<p style="text-align: justify;">Sampat lässt sich jedoch nicht unterkriegen. Mit körperlicher und charakterlicher Präsenz spricht sie höhere Instanzen an. Hauptsache ein Stein, auch wenn er noch so klein ist, kommt ins Rollen. Oder wird zumindest einmal umgedreht. Dabei verlieren sich die Aufnahmen teilweise in unnötige Längen. Der Film dreht sich zu sehr im Kreis und kommt nicht zum Punkt.</p>
<p style="text-align: justify;">Gulabi Gang zeigt den unermüdlichen Kampf einer Frau, die nicht nur nach außen all ihre Kraft einsetzen muss, sondern auch Probleme bewältigen muss, die innerhalb der Vereinigung entstehen. So hat die Gang die Chance, bei einer Art Bürgermeisterwahl eine Frau aufzustellen. Doch von den mehreren hundert Wahlberechtigten gehen nur knapp 100 in die Kabinen. Eine herbe Enttäuschung, die zeigt, dass die Gruppe zwar zahlenmäßig konstant steigt und Einfluss ausüben könnte, die Einzelnen jedoch noch mit der Unterdrückung und Angst zu leben haben, die seit ihrer Kindheit besteht.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Sebastian Lauterbach</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/12/kritik-die-gulabi-gang-eroffnet-das-28-dokumentarfilmfestival-in-munchen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Kritik: Ein Künstlerkollektiv aus Ludwigsburg experimentiert mit &#8220;fucKING richard III&#8221;</title>
		<link>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/10/kritik-ein-kunstlerkollektiv-aus-ludwigsburg-experimentiert-mit-fucking-richard-iii/</link>
		<comments>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/10/kritik-ein-kunstlerkollektiv-aus-ludwigsburg-experimentiert-mit-fucking-richard-iii/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 10 May 2013 11:56:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Britta Schönhütl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Performance]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Anna Karlsson Wede]]></category>
		<category><![CDATA[Eddie Mio Larson]]></category>
		<category><![CDATA[Francine Agbodjalou]]></category>
		<category><![CDATA[Franziska Müller]]></category>
		<category><![CDATA[Herr der Ringe]]></category>
		<category><![CDATA[Jenny Salomonsen]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Frick]]></category>
		<category><![CDATA[KiKA]]></category>
		<category><![CDATA[Körber Studio Junge Regie]]></category>
		<category><![CDATA[Leo Kaiko Gustafsson]]></category>
		<category><![CDATA[Richard III]]></category>
		<category><![CDATA[The Tribe]]></category>
		<category><![CDATA[The Walking Dead]]></category>
		<category><![CDATA[Whitney Houston]]></category>
		<category><![CDATA[William Shakespeare]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.cult-zeitung.de/?p=4756</guid>
		<description><![CDATA[Endlich eine Fortsetzung von "The Tribe"!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: justify;"></h1>
<div id="attachment_4766" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.cult-zeitung.de/wp-content/uploads/2013/05/77e0a74702.jpg"><img class="size-medium wp-image-4766" title="Körber Studio Junge Regie 2013: &quot;fucKING richard III&quot;" src="http://www.cult-zeitung.de/wp-content/uploads/2013/05/77e0a74702-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Quietschbuntes Chaos. Foto: Krafft Angerer</p></div>
<h1 style="text-align: justify;"></h1>
<h1 style="text-align: justify;">Endlich eine Fortsetzung von &#8220;The Tribe&#8221;!</h1>
<p style="text-align: justify;">Acht lange Jahre sind vergangen, seit die letzte Episode von „The Tribe“ im KiKA ausgestrahlt wurde. Die zerstörte Stadt musste evakuiert werden, die Mall Rats flohen ins offene Meer. Nach langen Strapazen sind sie nun endlich zurückgekehrt. Älter zwar, doch hat sich eigentlich nichts geändert: Neonfarben, wilde Kostüme, Perücken – die bewusste Abgrenzung von anderen Gruppen. Niemand kann ihnen Vorschriften machen. Selbstverwirklichung in seiner reinsten Form. Nur sind sie jetzt eben kein Stamm verängstigter Teenies mehr, sondern ein eingeschworenes Künstlerkollektiv. Macht irgendwie auch keinen Unterschied.</p>
<p style="text-align: justify;">Die metallische Folie glänzt im Licht der Scheinwerfer, reflektiert und irritiert den Blick des Publikums. Der gesamte Boden ist mit ihr bedeckt. Darauf ein Sammelsurium schmuddeliger, kaputter, staubiger Requisiten: alte Röhrenfernseher, ein Einkaufswagen, Kleiderständer, ein zerfledderter Medizinball. Überall liegen Gegenstände herum, die Bühne scheint im Chaos zu versinken: wie von Vandalismus zerstört, es herrscht absoluter Ausnahmezustand!</p>
<p style="text-align: justify;">Die Künstler hatten einzig und allein die Aufgabe, William Shakespeares „Richard ІІІ“ zu inszenieren. Die Umsetzung bleibt ihnen überlassen. So wird die königliche Biographie als schauerliche Gute-Nacht-Geschichte rezitiert, irgendwann muss Richard auch zur Paartherapie. In weiße Schutzanzüge oder Säcke gekleidet sitzen die Figuren zwischen all dem Müll, jeder in seinem eigenen kleinen Reich, in den Nachrichten wird der Tod des Königs bekannt gegeben, der Wetterbericht kündigt Regen an. Was für ein Schlamassel! Das Einkaufswagen-Taxi rollt herbei, nimmt sie alle auf, wie ein Penner all seine Habseligkeiten. Das Schild leuchtet gelb, als wolle es noch mehr Gestrandete anlocken.</p>
<p style="text-align: justify;">Was an einem Abend so alles passieren kann! Da ist das feierliche Ritual zu Beginn der Inszenierung, begleitet von Mönchsgesang. Dann die skurrile Whitney-Houston-Interpretation von Johannes Frick, später wird Anna Karlsson Wede bestraft und muss in den „Turm“: ihr Kopf steckt für eine Minute in einem Vogelkäfig, dann darf sie wieder raus. Jenny Salomonsen drillt ihre Kollegen, damit sie sich bei der nahenden Schlacht – wir befinden uns jetzt mitten in „Herr der Ringe“ – gegen Adler und Flugtiere der Nazgul verteidigen können. Der Überlebende hat wohl nichts aus „The Walking Dead“ gelernt und wird von Zombies zerfleischt. Ende gut, alle tot.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Künstler lassen es sich nicht nehmen, dem Publikum – und Shakespeare – ein paar Tipps zu geben, wie man Theaterstücke innovativer und impulsiver gestalten könnte. Was man dort auf der Bühne sieht, ist künstlerische Willkür in ihrer reinsten Form. Man kann niemanden bewerten, der einfach Spaß haben und den Zuschauer begeistern will. Shakespeares Vorlage interessiert die Ludwigsburger nicht, sie ist eher der Ausgangspunkt für ein wahnsinniges Brainstorming mit apokalyptischen Folgen: unbekümmerte Energieentladung auf der Bühne, eine Stunde Chaos, endlich wieder „The Tribe“! Diesmal unzensiert.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Britta Schönhütl</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/10/kritik-ein-kunstlerkollektiv-aus-ludwigsburg-experimentiert-mit-fucking-richard-iii/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Portrait: Clara Hinterberger von der Theaterakademie München</title>
		<link>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/10/portrait-clara-hinterberger-von-der-theaterakademie-munchen/</link>
		<comments>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/10/portrait-clara-hinterberger-von-der-theaterakademie-munchen/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 10 May 2013 11:29:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hanna Pfaffenwimmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Clara Hinterberger]]></category>
		<category><![CDATA[Elfriede Jelinek]]></category>
		<category><![CDATA[Fukushima]]></category>
		<category><![CDATA[Kein Licht]]></category>
		<category><![CDATA[Körber Studio Junge Regie]]></category>
		<category><![CDATA[Theaterakademie München]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.cult-zeitung.de/?p=4745</guid>
		<description><![CDATA[Fremdwelten im Theater]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: justify;"></h1>
<div class="mceTemp" style="text-align: center;">
<dl id="attachment_4746" class="wp-caption alignleft" style="width: 410px;">
<dt class="wp-caption-dt"><a href="http://www.cult-zeitung.de/wp-content/uploads/2013/05/MünchenClaraHinterberger.jpg"><img class="size-large wp-image-4746 " title="Clara Hinterberger" src="http://www.cult-zeitung.de/wp-content/uploads/2013/05/MünchenClaraHinterberger-768x1024.jpg" alt="" width="400" height="533" /></a></dt>
<dd class="wp-caption-dd">Clara Hinterberger. Foto: Privat</dd>
</dl>
</div>
<h1 style="text-align: center;">Fremdwelten</h1>
<h1 style="text-align: center;">im Theater</h1>
<p style="text-align: justify;">Clara Hinterberger hebt sich von der Masse der anwesenden Regiestudenten ab. Schon allein, weil sie groß und blond ist. Und weil ihr Zugang zum Theater ein anderer ist. Lange Zeit spielte sie in einem Orchester, entschied sich dann für ein Regiestudium an der Bayerischen Theaterakademie in München. Die Liebe, und das Gespür für Musik begleiten sie noch immer. Ihr Verständnis von Musik spiegelt sich in ihren Arbeiten, auch in &#8220;Kein Licht&#8221; von Elfriede Jelinek.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Text ist dabei auf zwei Stimmen aufgeteilt, welche die Autorin als „erste und zweite Geige“ bezeichnet. „Dass sich diese Charakterbezeichnungen mit meinem Werdegang decken, war schon während der Proben der running gag. Ich war immer die zweite Geige, aber immerhin Stimmführerin“, erzählt Clara im Gespräch. An Elfriede Jelineks Texten schätzt Clara neben der vielschichtigen gesellschaftlichen Themenverarbeitung deren Sprachmelodie. „Schon während des Lesens erschließt sich einem die Musikalität der Sprache. Diese Sprachpolyphonie ist ein entscheidender Ausgangspunkt für unserer Auseinandersetzung mit &#8220;Kein Licht&#8221; gewesen. Ich habe den Text durchaus auch als Partitur gelesen.“</p>
<p style="text-align: justify;">&#8220;Kein Licht&#8221; behandelt die Auswirkungen der Fukushima Katastrophe. Die beiden personifizierten Geigen haben ihr Gehör für die Musik verloren. Sie können sie nach wie vor spielen, aber nicht mehr hören. Ein Umstand, der vielleicht ebenso schwer wiegt wie die eigentliche Katastrophe. „Für mich definiert sich Musik unter anderen als emotionale Kommunikation. Und wenn die abhanden kommt, was bleibt?“ Verlust von emotionaler Kommunikation, eine Metapher, die zu Beginn der Arbeit an &#8220;Kein Licht&#8221; stand.</p>
<p style="text-align: justify;">„Wie die Katastrophe in Fukushima &#8211; eine unfassbare Aneinanderreihung von Zufällen &#8211; unsere Möglichkeiten der Ursachenforschung außer Kraft setzt, spielt der Text von Jelinek mit unserem urmenschliche Bedürfnis, Sachhalte, Zustände, Phänomene ergründen und einordnen zu wollen und das Scheitern dessen ist auch immer gleich mitthematisiert. Wie es absurderweise auch die Erforschung einer „Chaostheorie“ Anfang des 20. Jahrhunderts versuchte.“</p>
<p style="text-align: justify;">Wenn Clara und ihr Team &#8220;Kein Licht&#8221; auf die Bühne der Gaußstraße bringen, stellen sie sich die Frage nach der Nicht-Fassbarkeit von Katastrophen. „Meine Abende gestalten sich häufig sehr assoziativ. Der Wunsch, den Zuschauer als „Autor“ im Abend mit einzubinden, ist immer wieder Thema in der Gestaltung der Inszenierung. Ich verstehe meine Inszenierungen auch oft als Versuchsanordnung, die mehr Fragen aufwerfen, als diese zu beantworten sucht.“ Das Risiko der Überforderung der Zuschauer geht sie dabei ein.</p>
<p style="text-align: justify;">„Es gilt immer wieder genau hinzuhören, sich nicht ausschließlich von visuellen Eindrücken leiten zu lassen. Musik eröffnet Fremdwelten und diese Fremdwelten für einen Theaterabend interessieren mich. Die Frage ist Sprache vielleicht ein Mittel der Verhüllung, statt Enthüllung und den Vollzug des Sprechens, den Sprechakt selbst, durch musikalische Parameter hervorzuheben, sind Ansätze und Versuche beim heutigen Abend.“</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Hanna Pfaffenwimmer</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/10/portrait-clara-hinterberger-von-der-theaterakademie-munchen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Kritik: Daniel Schauf nimmt uns bei &#8220;Blickakte&#8221; mit ins Theater nach Somalia</title>
		<link>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/10/kritik-daniel-schauf-nimmt-uns-bei-blickakte-mit-ins-theater-nach-somalia/</link>
		<comments>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/10/kritik-daniel-schauf-nimmt-uns-bei-blickakte-mit-ins-theater-nach-somalia/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 10 May 2013 11:18:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Britta Schönhütl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Performance]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Bee Chang]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Schauf]]></category>
		<category><![CDATA[Jabril Abdull]]></category>
		<category><![CDATA[Körber Studio Junge Regie]]></category>
		<category><![CDATA[National Theatre of Somalia]]></category>
		<category><![CDATA[Philipp Scholtysik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.cult-zeitung.de/?p=4735</guid>
		<description><![CDATA[Wie man die Seele der Tiere tanzt]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1> </h1>
<div id="attachment_4738" class="wp-caption alignleft" style="width: 610px"><a href="http://www.cult-zeitung.de/wp-content/uploads/2013/05/Blickakte-Szenenfoto.jpg"><img class="size-full wp-image-4738 " title="Köber Studio Junge Regie 2013: &quot;Blickakte&quot;" src="http://www.cult-zeitung.de/wp-content/uploads/2013/05/Blickakte-Szenenfoto.jpg" alt="" width="600" height="425" /></a><p class="wp-caption-text">Geisteskranke Performance. Foto: Kerstin Schomburg</p></div>
<h1>Wie man die Seele der Tiere tanzt</h1>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify;">Mit entblößten Füßen tritt er hinter einer textilen Wand hervor, fremdartige Klänge entweichen ihm und begleiten seinen Weg. In Erdfarben gekleidet, steht Philipp Scholtysik dort und beginnt seinen Vortrag über das National Theatre of Somalia. Einige Hilfsmittel hat er mitgebracht, um den Abend anschaulicher zu gestalten: Zum einen die riesige Leinwand, auf der nach Bedarf Fotos oder Videos gezeigt werden. Zum anderen ein kleines Säckchen Myrrhe, das er mithilfe eines Zimmerbrunnens in das wertvolle Öl verwandelt. Das Publikum darf daran riechen, die Myrrhe anfassen und sich sogar mit ihr beträufeln lassen. „Geschichte hautnah miterleben! Heute: Das Theater von Somalia. Eine kleine Einführung“, live im Thalia Theater, so könnte die Ankündigung im Programmheft lauten.</p>
<p style="text-align: justify;">Regisseur Daniel Schauf will mit &#8221;Blickakte&#8221; das <em>National Theatre of Somalia in exile</em> präsentieren, das er gegründet hat. Dazu stellt er Journalist Philipp Scholtysik auf die Bühne, der von seiner Reise nach Somalia und den dort gesammelten Erfahrungen und Kontakten erzählt. Er traf Jabril Abdull, der 2012 das <em>National Theatre of Somalia</em> in Mogadischu wiedereröffnet hat, Schnappschüsse zeigen den Innenraum des Theaters.</p>
<p style="text-align: justify;">Plötzlich kündigt Scholtysik eine weitere Person an, eine Künstlerin aus Taiwan, die ihn bei seinem Vortrag unterstützen soll. Sie fegt herein, nicht zu klein und nicht zu groß, ebenfalls barfuß. Sie wirbelt über die Bühne, keift und schimpft auf Chinesisch, gestikuliert und springt und rennt und poltert. Das ist Bee Chang, Absolventin der Performance Studies in Hamburg. Sie kann wunderbar die Seele von Tieren nachtanzen oder den Derwisch-Tanz mit einer Gesangsimprovisation verbinden, mit der sie sich für alle Menschen auf der Welt entschuldigt. Das alles und noch viel mehr zeigt sie uns an diesem Abend. Ihre Performance ist packend und verstörend, doch immer amüsant.</p>
<p style="text-align: justify;">Dennoch muss man sich die Frage stellen, die sich auch Regisseur Daniel Schauf im Vorfeld gestellt hat: Ist dieses Thema überhaupt ein künstlerisches? Scholtysik und Chang lassen uns, so scheint’s, an afrikanischen Tänzen teilhaben, erklären so einen Teil der oralen Kultur Somalias. Die Art und Weise, wie sie an diesem Abend performen, ist sicherlich auch eine künstlerische. Irgendwo zwischen dokumentarischem Theater mit Laien-Darstellern und geisteskranken Performance-Einlagen. Trotzdem erinnern die Geschehnisse an einen 60-minütigen Vortrag im Audimax irgendeiner Universität, der ausnahmsweise nicht aus einer Power-Point-Präsentation und leicht verschmierten Overhead-Folien besteht. Diesmal etwas mehr Leben, etwas mehr Action, damit alle am Ball bleiben.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Rechnung geht auf, man lernt zwei Dinge. Erstens: Das <em>National Theatre of Somalia in exile</em> ist ein interessantes Projekt! Zweitens: Stille im Theatersaal ist ein Ding der Unmöglichkeit, die Häufigkeit des Hustens steigt nämlich exponentiell, je mehr Zeit verstreicht. Woher kommt das? Um den anderen seine Anwesenheit mitzuteilen? Um seine Wichtigkeit zu unterstreichen, weil man gerade nur Zuschauer und nicht Akteur ist? Das wird es wohl sein. Niemand wir gern überhört.</p>
<p><em>Britta Schönhütl</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/10/kritik-daniel-schauf-nimmt-uns-bei-blickakte-mit-ins-theater-nach-somalia/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Kritik: Frederik Tidén zeigt mit &#8220;Trauer muss Elektra tragen&#8221; eine schrecklich schrille Familie</title>
		<link>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/10/kritik-frederik-tiden-zeigt-mit-trauer-muss-elektra-tragen-eine-schrecklich-schrille-familie/</link>
		<comments>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/10/kritik-frederik-tiden-zeigt-mit-trauer-muss-elektra-tragen-eine-schrecklich-schrille-familie/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 10 May 2013 11:07:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hanna Pfaffenwimmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Dan Glazer]]></category>
		<category><![CDATA[Eugene O'Neill]]></category>
		<category><![CDATA[Frederik Tidén]]></category>
		<category><![CDATA[Körber Studio Junge Regie]]></category>
		<category><![CDATA[Lia Hoensbroech]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Ender]]></category>
		<category><![CDATA[Sophie Hutter]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.cult-zeitung.de/?p=4725</guid>
		<description><![CDATA[Sieger sehen anders aus!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: justify;"> </h1>
<h1 style="text-align: justify;">  </h1>
<div class="mceTemp" style="text-align: justify;">
<dl id="attachment_4730" class="wp-caption alignleft" style="width: 610px;">
<dt class="wp-caption-dt"><a href="http://www.cult-zeitung.de/wp-content/uploads/2013/05/zuerichszenenbild.jpg"><img class="size-full wp-image-4730 " title="Körber Studio Junge Regie 2013: &quot;Trauer muss Elektra tragen&quot;" src="http://www.cult-zeitung.de/wp-content/uploads/2013/05/zuerichszenenbild.jpg" alt="" width="600" height="450" /></a></dt>
<dd class="wp-caption-dd">Zickenterror, gewürzt mit permanentem Schreien. Foto: Kerstin Schomburg</dd>
</dl>
</div>
<h1 style="text-align: justify;">Sieger sehen anders aus!</h1>
<p style="text-align: justify;">Die schweren Jahre der Pubertät, wie gerne würde man sie aus der eigenen Biographie streichen.Geht aber nicht. Also muss man da durch. Auch Winnie, ein vernachlässigtes Südstaaten-Girlie, in dem sich sehr viele Aggressionen gestaut haben. Mit den sozialen Kontakten scheint nicht so zu klappen, also ist die Mutter die einzige Ansprechperson. Wobei „Sprechen“ in der Inszenierung von <a title="Interview mit Frederik Tidén" href="http://www.cult-zeitung.de/2013/05/08/interview-frederik-tiden-uber-die-theatralitat-des-alltags/" target="_blank">Frederik Tidén </a>nicht wirklich den Ton trifft. Eher ist es Schreien – permanentes Schreien. Die Mutter ist eine ebenso cholerische wie herrschsüchtige Zicke. Eine gute Konstellation also, um sich von einem Wutausbruch in den nächsten zu brüllen. Bei all dem aggressiven Mehraufwand merken die beiden gar nicht, dass der lang vermisste und zumindest von Seiten der Tochter herbeigesehnte Vater aus dem Krieg wiederkehrt. Eher könnte man von einer Versetzung des Vaters sprechen: vom Bombenhagel auf weiter Flur im Irak in den lautstarken Kleinkrieg in den vier Wänden. Nein Zuhause möchte man diesen Ort wahrlich nicht nennen müssen.</p>
<p style="text-align: justify;">Abgesehen von all dem, was er erleben musste, ist der Vater vielleicht auch deshalb so still, weil er aufgrund des ständigen Gekreisches nie zu Wort kommt. Viel könnte er ohnehin nicht mehr sagen, hat die Gattin ihm doch schon Gift untergemischt. Das bringt die Tochter endgültig in Rage. Die Mutter soll leiden und da Worte, trotz ihrer immensen Lautstärke, nichts helfen, muss der traumatisierte Bruder ran. Der kommt ebenso aus dem Krieg, pflegt ein inzestuöses Verhältnis zur Mutter und soll nun ein für alle Mal für Stille sorgen.</p>
<p style="text-align: justify;">Tidén zeigt ein heutiges Amerika-Bild, oder zumindest das, was die Medien daraus machen. In Videoeinspielungen lässt er Obama davon berichten, wie stolz Amerika auf seine Soldaten sei, kurz bevor die beiden gebrochenen Heimkehrer die Bühne betreten. Die Mutter schaut „Eine schrecklich nette Familie“, kurz bevor sich ihre Kinder zu ihr aufs Sofa setzen und sie mit einem Kissen ersticken.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Inszenierung hat also eine Art von Ironie, auch weil sie ohnehin schon starke Klischees zusätzlich überzeichnet, doch meist will der Zuschauer nicht darüber lachen. So als hätte Tidén es gewusst, spielt er die Lacher vorsätzlich ein. Das Stilmittel der Sitcom unterstreicht die Einsamkeit und das in sich Gefangensein der Figuren.</p>
<p style="text-align: justify;">Welch traurige Gestalten sind sie doch. Sieger sehen anders aus. Jeglicher Zuspruch und jegliches Bedauern für die eigene Lage kommt von Band, irgendwo aus der Dunkelheit des Theatersaals, statt vom Gegenüber.</p>
<p style="text-align: justify;">Der junge Regisseur konzentriert sich im Verlauf des gut 80-minütigen Abends in drei Teilen so sehr auf den Mutter-Tochter Konflikt, dass ihm die durchaus spannenden Motive seiner beiden männlichen Figuren entgehen. Auch strengt der Zickenterror mit der Zeit so an, dass man sich in den wenigen ruhigeren Passagen eher erschöpft fühlt und sich zu erholen versucht, wohl wissend, dass solche Szenen nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm sein können. Und der kommt dann auch, zusammen mit einer bitteren Gewissheit: Man mag sein Umfeld auslöschen, seine Gene besiegt man nicht. Winnie, rein psychisch zum Abbild der eigenen Mutter geworden, steht &#8211; man mag es kaum für möglich halten &#8211; kreischend auf der Couch. Nun gibt es zum ersten Mal an diesem Abend einen Grund dafür.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Hanna Pfaffenwimmer</em></p>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://www.cult-zeitung.de/2013/05/08/interview-frederik-tiden-uber-die-theatralitat-des-alltags/" target="_blank">Lesen Sie hier das exklusive Interview mit Frederik Tidén über die Theatralität des Alltags!</a></p>
<p style="text-align: justify;"> </p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/10/kritik-frederik-tiden-zeigt-mit-trauer-muss-elektra-tragen-eine-schrecklich-schrille-familie/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Interview: Frederik Tidén über die Theatralität des Alltags</title>
		<link>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/08/interview-frederik-tiden-uber-die-theatralitat-des-alltags/</link>
		<comments>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/08/interview-frederik-tiden-uber-die-theatralitat-des-alltags/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 08 May 2013 14:34:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Artur Senger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Breaking Bad]]></category>
		<category><![CDATA[Christopher Hitchens]]></category>
		<category><![CDATA[Eugene O'Neill]]></category>
		<category><![CDATA[Falckenbergschule]]></category>
		<category><![CDATA[Frank Castorf]]></category>
		<category><![CDATA[Frederik Tidén]]></category>
		<category><![CDATA[Körber Studio Junge Regie]]></category>
		<category><![CDATA[New Hollywood]]></category>
		<category><![CDATA[The Wire]]></category>
		<category><![CDATA[Trauer muss Elektra tragen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.cult-zeitung.de/?p=4715</guid>
		<description><![CDATA[Ein Ort der Kommunikation]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: justify;"> </h1>
<h1 style="text-align: justify;">Ein Ort der Kommunikation</h1>
<div id="attachment_4716" class="wp-caption alignleft" style="width: 287px"><a href="http://www.cult-zeitung.de/wp-content/uploads/2013/05/freddi.jpg"><img class="size-medium wp-image-4716" title="Frederik Tidén" src="http://www.cult-zeitung.de/wp-content/uploads/2013/05/freddi-277x300.jpg" alt="" width="277" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Der Blick geht nach Amerika. Foto: Privat</p></div>
<p style="text-align: justify;">Frederik Tidén war schon <a title="Kritik zu Frederik Tidén mit &quot;Schuld und Sühne&quot;" href="http://www.cult-zeitung.de/2011/04/01/der-getriebene/" target="_blank">vor zwei Jahren</a> auf dem Festival „Junge Regie“. Er zeigte eine Arbeit, die an der Münchner Falckenbergschule entstanden war. Diesmal präsentiert er seine Zürcher Inszenierung von Eugene O’Neills <a title="Kritik zu &quot;Trauer muss Elektra tragen&quot;" href="http://www.cult-zeitung.de/2013/05/10/kritik-frederik-tiden-zeigt-mit-trauer-muss-elektra-tragen-eine-schrecklich-schrille-familie/" target="_blank">&#8220;Trauer muss Elektra&#8221;</a> tragen. Mit dem Regisseur sprach Artur Senger.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Du hast nicht nur in Deutschland und der Schweiz, sondern auch in Mexiko inszeniert. Welche Erfahrungen hast Du dort gemacht, die Dich als Regisseur bereichert haben?</em></p>
<p style="text-align: justify;">Man muss die Schauspieler nicht zur Emotion bringen. Sie sind schon da. Man muss nur das, was sie mitbringen, in eine Form packen. Das Leben ist in Mexiko sehr theatral. Alles ist laut, es wird viel gesprochen, überall wird Musik gemacht – auch viel schlechter als hier, es schämt sich ja niemand. Es passieren die ganze Zeit surreale Sachen und die Menschen improvisieren viel. Ein Schauspieler wunderte sich darüber, dass ich bei den Proben oft sagte „Ich weiß noch nicht.“ In Mexiko sagt das niemand. Auch wenn du die Leute nach dem Weg fragst, erfinden sie etwas.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Jetzt inszenierst Du im kühlen Deutschland und hast in Deinem Blog geschrieben: „Ein Nachwuchsfestival ist einer der letzten Orte, an denen man sich noch miteinander unterhält.“ Hat sich das bisher bestätigt?</em></p>
<p style="text-align: justify;">Die Regisseure, die ich kenne, reden nicht viel mit anderen Regisseuren. Ich bin selbst sehr eng mit einer ehemaligen Kollegin von meiner Schule befreundet. Aber das ist nicht die Regel.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Wo suchst Du dann den Austausch über Deine Stücke?</em></p>
<p style="text-align: justify;">Im Hochschulkontext spricht man schon untereinander und dort gibt es Leute, denen ich vertraue. Aber wenn ich mir Regisseure über 30 ansehe, habe ich nicht das Gefühl, dass sie das noch machen. Die tauschen sich schon mit anderen Leuten aus, aber nicht mit Regisseuren.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Woran liegt das?</em></p>
<p style="text-align: justify;">Weiß ich nicht. Eitelkeit? Angst? Vielleicht hört das jetzt auch auf. Immer mehr Leute arbeiten in Kollektiven und anderen Verbünden. Dann gibt es vielleicht nicht mehr den Regisseur als Großkünstler, der sich von anderen Großkünstlern abgrenzen muss. Vielleicht ist das ein Auslaufmodell.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Wir haben hier schon ein paar Produktionen gesehen, die im Kollektiv erarbeitet wurden. Du machst das nicht. Findest Du, dass kollektive Regie eine negative Entwicklung ist?</em></p>
<p style="text-align: justify;">Darum geht es nicht. Ich mache das nicht so, weil ich nicht der Typ dafür bin; ich bin zu einzelgängerisch in manchen Belangen. Das Theater ist doch ohnehin ein Gruppenprozess. Auch wenn da steht „Regie: Frederik Tidén“, tausche ich mich doch mit den Schauspielern, den Bühnen- und Kostümbildnern aus.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Und wenn Du Deinen Schauspielern dann mal sagst „Ich weiß noch nicht“ – wieviel Raum lässt du ihnen?</em></p>
<p style="text-align: justify;">Dann sollen sie mir etwas anbieten. Ich bin nicht der Mensch, der wenig vorgibt. Aber wenn ein paar Grundparameter gesetzt sind, dann kann man sich darin auch bewegen.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>In Deiner Ankündigung zu &#8220;Trauer muss Elektra tragen&#8221; schlägst du einen Bogen von Eugene O&#8217;Neill zu Soaps und Sitcoms heute. Das klingt nach einer respektlosen Inszenierung.</em></p>
<p style="text-align: justify;">Ich mag das Stück, aber das Stück ist nicht gut. Es ist kein literarisch guter Text, aber man kann für das Theater gut mit dem Material arbeiten. Und O&#8217;Neill war sich sicher bewusst, dass die Figuren, die er dorthin stellt, Pappschablonen sind. Wir haben es hier mit einer Form von formalisiertem Gestenrepertoire, von formalisiertem Gefühl zu tun. Und die Formen, die uns heute prägen, kommen von den Sitcoms und Soaps.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Inwiefern?</em></p>
<p style="text-align: justify;">In Mexiko werden die Menschen 24/7 mit Telenovelas zugeballert. Das beeinflusst natürlich, wie sie ihre Gefühle äußern. Ich war bei einem Schauspieler in der Wohnung. Über uns brach ein Streit aus zwischen einem Paar. Plötzlich riss die Frau das Fenster auf und schrie: „Ich reiße das Fenster auf, damit die ganze Welt hört, was du für ein Mann bist! …was du für ein Mann bist!“ Wir lachten uns kaputt. Aber so funktioniert das.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Hier gucken die Menschen doch auch Soaps und verhalten sich nicht so.</em></p>
<p style="text-align: justify;">Ich empfinde im deutschen Alltag immer so eine untheatrale Kartoffeligkeit. Diese Art von Sprödheit, Betroffenheit von Geiz wird in so einem Format wie dem Tatort gespiegelt. Die Schauspielerin, die erfährt, dass ihr Sohn gestorben ist, verfällt in dieses komische Nichtgesicht und lässt ein Glas Wein fallen. Diese schludrige Reduktion auf das Bräsige beeinflusst auch unseren Duktus.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Meinst Du so einen Mechanismus auch mit dem Begriff der „amerikanischen Gefühlszurichtung“, den Du in der Ankündigung verwendet hast?</em></p>
<p style="text-align: justify;">Ich meine das nicht so negativ, wie es klingt.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Wie würdest Du amerikanische Qualitätsserien, die in den Feuilletons gelobt werden, damit in Zusammenhang bringen?</em></p>
<p style="text-align: justify;">Amerika hat eine ganz große literarische Tradition. Serien wie &#8220;Breaking Bad&#8221; und &#8220;The Wire&#8221; kommen eher aus dieser Richtung. Und sie haben Rückkopplungen zu New Hollywood. Es gibt doch nirgends nur eine Form der Zurichtung und der Schablone. So wie ich in Mexiko mit Mexikanern sitze und über die Leute lachen kann, die in der Wohnung die Telenovela nachspielen, so gibt es auch hier eine Vielheit: zum gefühlsverstummten, grauen Tatort kommt das Theater von Frank Castorf.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Deine Inszenierung spielt auch in den USA. Das ganze fängt an mit dem Auszug der Amerikaner aus dem Irak. Welchen persönlichen Bezug hast Du zu den USA?</em></p>
<p style="text-align: justify;">Ich war da immer mal wieder im Urlaub, sehe sehr viel amerikanisches Fernsehen, lese viele amerikanische Bücher und Blogs. Es gibt dort eine breitere künstlerische und intellektuelle Auseinandersetzung, einfach weil das Land so groß ist und weil es immer noch diesen Kern hat: „Hier darf jeder alles machen. Hier geht man hin, wenn es einem woanders zu eng wird.“ Das stimmt natürlich ganz oft nicht, aber allein, dass das als Überschrift über dem Land steht, inspiriert doch die Menschen. Die amerikanische Kulturhegemonie gibt es nicht nur, weil die militärisch so stark sind, sondern auch einfach, weil dort Bücher geschrieben und Filme gemacht werden, die es in anderen Ländern nicht gibt. Der inzwischen verstorbene britische Autor Christopher Hitchens schrieb: „I received a pull from the American planet.“ So würde ich das auch beschreiben.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Haben die USA auch einfach bessere Voraussetzungen für Kunstproduktion?</em></p>
<p style="text-align: justify;">Amerika war ja ein weißes Blatt Papier. Und so hat man es auch behandelt. Man konnte etwas Neues schaffen. All die Sachen, die bei uns Import sind: Rockmusik, Cocktails und die ganzen dominanten Formate, haben bei denen Tradition. Deshalb können sich die Amerikaner darin besser bewegen und auf Entwicklungen reagieren.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Was bringt für Dich die Zukunft?</em></p>
<p style="text-align: justify;">Ich fahre im Sommer nach China. Und künstlerisch: Ich habe schon einmal eine Produktion gemacht, die sehr amerikalastig war, und ich denke, dass ich daraus stärker schöpfen kann. Deshalb werde ich das auch weiterverfolgen.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://www.cult-zeitung.de/2013/05/10/kritik-frederik-tiden-zeigt-mit-trauer-muss-elektra-tragen-eine-schrecklich-schrille-familie/" target="_blank"> Lesen Sie hier die Kritik zu &#8220;Trauer muss Elektra tragen&#8221;!</a></p>
<p style="text-align: justify;"> </p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/08/interview-frederik-tiden-uber-die-theatralitat-des-alltags/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Kritik: Das Trio aus Gießen zeigt mit &#8220;Der souveräne Mensch&#8221; ein traumhaftes Projekt</title>
		<link>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/08/kritik-das-trio-aus-giesen-zeigt-mit-der-souverane-mensch-ein-traumhaftes-projekt/</link>
		<comments>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/08/kritik-das-trio-aus-giesen-zeigt-mit-der-souverane-mensch-ein-traumhaftes-projekt/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 08 May 2013 14:11:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Neukirch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Performance]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Arnita Jaunsubrena]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Willems]]></category>
		<category><![CDATA[Körber Studio Junge Regie]]></category>
		<category><![CDATA[Lea Schneidermann]]></category>
		<category><![CDATA[Universität Gießen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.cult-zeitung.de/?p=4708</guid>
		<description><![CDATA[Ein Abend rund um die Souveränität unter dem Motto: "Sich absolut blenden lassen"]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: justify;">Sich absolut blenden lassen</h1>
<p style="text-align: justify;">Barack Obama hat sie. Tom Cruise hat sie auch. Politiker, Schauspieler, Unternehmer, Vorstände, Yoga-Gurus – sie alle haben sie. In der Wirtschaft, in den Medien, auf der Kanzel – und nicht nur dort – sind gelegentliche Selbstkontrolle und Souveränität obligatorisch für jene, die nach oben wollen. Alles andere landet bei YouTube, bekommt fünf Millionen Klicks und viel Gelächter. Dagegen helfen Ratgeber und Coachings, alles ist bekanntlich erlern- und optimierbar. Die Rezeption dieser Tipps und Tricks ist meist irgendwo zwischen Faszination und Ekel angesiedelt. Wenn man dann einmal face-to-face einen Souveränen trifft, kommt auch Neid ins Spiel.</p>
<p style="text-align: justify;">Warum wir gerade dem Souveränen, jenem, der sich in den „Hafen des geheilten Menschen“ retten kann, in einflussreichen Positionen finden, warum wir auf inszenierte Sprache und Gestik gerne reinfallen und ihnen verfallen, fragen Arnita Jaunsubrena, Lea Schneidermann und Kim Willems in ihrem Theaterprojekt “Der souveräne Mensch. Warum Juwelen glänzen und Kieselsteine grau sind“.</p>
<div class="mceTemp mceIEcenter" style="text-align: justify;">
<dl id="attachment_4709" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px;">
<dt class="wp-caption-dt"><a href="http://www.cult-zeitung.de/wp-content/uploads/2013/05/kim-und-fuchs.jpg"><img class="size-large wp-image-4709 " title="Koerber Studio Junge Regie 2013: &quot;Der souveräne Mensch&quot; aus Gießen" src="http://www.cult-zeitung.de/wp-content/uploads/2013/05/kim-und-fuchs-1024x681.jpg" alt="" width="600" height="399" /></a></dt>
<dd class="wp-caption-dd">Man muss auch mal wahnsinnig sein! Foto: Krafft Angerer</dd>
</dl>
</div>
<p style="text-align: justify;">Thema und Umsetzung sind gleichsam spannend. Ein blausamtener, massiver Vorhang hängt von der Bühnendecke, davor ein Rednerpodest und Kim Willems, der zuerst als Coach, Performer, Unterhalter auftritt, referiert über Souveränität („liebes Publikum“) und gestikuliert besonnen. Er zeigt die Merkelsche Raute, die offenen Handfläche der Aufrichtigkeit, den wegweisenden Finger. Wenn wir sprechen, gestikulieren wir ungekünstelt, aber wer das Wort kontrollieren wird, muss sich natürlich auch seiner Mimik und Gestik bemächtigen. Es beeindruckt die vielfältige, gedankliche Auseinandersetzung der Gruppe mit dem abstrakten Begriff; viele erdenkenswerte Aspekte werden auf der Bühne beleuchtet – von einer inneren Entspanntheit, weil wir als Souveräne „Herr des eigenen Körpers“ sind, bis zur vibrierenden Spannung der Begriffe Schauspieler, ‚Verkörperung’ und Selbst. Der von Kim Willems verfasste und vorgetragene Essay ist unbedingt einen zweiten Blick wert. Man wünscht sich, man könne noch einmal nachlesen, was im Illusionsmeer der Gesten außer Reichweite treibt, sich auf die Suche machen, nach all’ den Referenzen und Querverweisen, die im Text gegeben sind.</p>
<p style="text-align: justify;">Vom Innen und Außen ist die Rede, der Membran, die die Illusion aufrecht erhält. Aber was befindet sich im Innen? Die Frage drängt sich auf, denn das Spiel mit Kontrasten ist allgegenwärtig. Die Präsentation der rhetorischen Gesten artet schließlich aus: Gesten und Worte verselbstständigen sich, funktionieren nicht mehr gemeinsam, Bedeutungen verschwimmen. Innen und Außen driften schließlich auseinander, ein ordentliches Chaos aus verselbstständigten Fingerzeigen. Und dann öffnet sich der majestätische Vorhang: Kahle Äste ragen aus einer Schneelandschaft, deren Helligkeit in den Augen schmerzt.</p>
<p style="text-align: justify;">„Einfach mal wahnsinnig sein“, sagt Kim Willems an einer Stelle. Da tapsen Arnita Jaunsubrena und Lea Schneidermann mit Fuchsköpfen maskiert auf die Bühne. Es schneit. Redner und Füchse trinken Kaffee aus Kaffeetassen, machen Tänzchen zu Trompetenmusik. Bester Ausnahmezustand! Das audiovisuelle Moment, das Führen des Wortes in eine poetische Bilderwelt ist erlösend und wunderbar sinnlich zugleich. Sind das archetypische Bilder? Die, die wir im Dunkeln weiter visionieren, wenn wir einmal nicht aufpassen? Schließlich bauen die Füchse die Schneelandschaft ab, zurück zur Ordnung, zurück zur Illusion. Kim Willems lädt zur Teilnahme am Publikumsgespräch ein. So muss ein Ende sein, das keines ist: ein bedachtes Tapsen zwischen Illusion und Desillusionierung.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Michaela Neukirch</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.cult-zeitung.de/2013/05/08/kritik-das-trio-aus-giesen-zeigt-mit-der-souverane-mensch-ein-traumhaftes-projekt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
