Auf die Freundschaft!

Die BR-Produktion „Servus Baby“ ist eine charmante Miniserie über vier Münchnerinnen Anfang 30.

Von Maresa Sedlmeir

Von Maresa Sedlmeir

Von Maresa Sedlmeir

München ist nicht New York. New York ist die Stadt, die niemals schläft. München ist hingegen etwas schläfrig und muss sich obendrein viel anhören: zu geleckt, zu spießig, zu teuer. Na gut, billig ist New York auch nicht gerade, aber immerhin heißt es ja: „If you can make it here, you can make it anywhere“. Besagt zumindest ein leicht abgewandeltes Frank-Sinatra-Zitat aus dem Soundtrack von „Sex and the City“. Vier New Yorkerinnen auf der Suche nach der großen Liebe – oder auch nur nach richtig gutem Sex.

Doch Obacht! Sex und Liebe, darum geht es auch in München. Vier Frauen Anfang 30 schlagen sich durch das (Nacht)leben der Stadt, verlieben sich, entlieben sich, werden verlassen. Soweit zu den Gemeinsamkeiten von „Servus Baby“ und dem großen amerikanischen Vorbild. Die kleine Schwester aus Bayern ist derber, provinzieller und nicht ganz so High Fashion. In München trinkt man statt Cosmopolitan in einer stilvollen Bar dann eben ein Tegernseer im gemütlichen Wohnzimmer.

Die Frauen in „Servus Baby“, einer Miniserie des BR, heißen Lou, Eve, Tati und Mel. Jede der vier Folgen behandelt eine der Freundinnen. Die Grafikdesignerin Lou wird schon nach wenigen Minuten der ersten Folge von ihrem Langzeitfreund Domi verlassen – für ihre Arbeitskollegin. Sie weint, brüllt und fleht Domi an, bei ihr zu bleiben. Ob ihn denn nicht interessiere, was sie will?  „Im Moment nicht, nein“, antwortet der ganz trocken und braust in einem Taxi davon. Und Lou? Hat ja zum Glück noch ihre Freundinnen. Zumindest die schüchterne Eve und die Powerfrau Mel. Mit der Kindergärtnerin Tati hat Lou sich zerstritten. Warum, wird nie ganz aufgeklärt. Und warum sie sich wieder vertragen auch nicht.

Ansonsten sind die vier Frauen und ihre Freundschaft toll angelegt. Sie alle haben ihre Jobs, ihre Hobbys und ihre Partner. Im Gegensatz zu „Sex and the City“ wirkt das alles viel bodenständiger und realistischer. Die vier Frauen tragen keine Designerklamotten und wohnen auch nicht in luxuriösen Penthouses. Das heißt nicht, dass sie ungeschminkt und in Jogginghose durch die Stadt rennen. Tati, Lou, Mel und Eve haben alle ihren eigenen Kleidungsstil, aber sie definieren sich nicht so stark über ihre Klamotten. Wie angenehm!

Auch in Sachen Sexleben unterscheiden sie sich: Von Langzeitbeziehung über wöchentlich wechselnde Sexualpartner bis hin zum harmlosen Flirt mit dem Arbeitskollegen ist alles dabei. Trotz ihrer Unterschiede und Differenzen bilden die vier eine homogene Gruppe, die manchmal wirklich zum Brüllen komisch ist. Man merkt, dass die vier Frauen über sich selbst lachen können und sich gegenseitig vertrauen. Da kann es schon mal passieren, dass die eine der anderen ein Kondom aus der Vagina ziehen muss.

„Servus Baby“ erzählt in jeder Folge die Geschichte einer der vier Frauen. Dieser Ansatz ist spannend! Denn jede Frau ist auf ihre ganz eigene Art sympathisch. Mit allen vieren kann man sich vorstellen, abends mal ein Bier trinken zu gehen – vielleicht deswegen, weil man sich selbst oder eine seiner Freundinnen in ihnen wieder erkennt. Doch leider gibt „Servus Baby“ dem Zuschauer zu alldem nur wenig Gelegenheit.

In den 30 Minuten kurzen Folgen erfahren wir einfach zu wenig über die Figuren, ihren Background und ihre Beweggründe. Einige Handlungen sind in dieser Kürze nicht nachvollziehbar, wirken überstürzt. Es hätte der Serie gut getan, die sympathischen Charaktere intensiver zu begleiten, anstatt die Handlung gehetzt voranzutreiben.

Doch offensichtlich erkennt man beim bayerischen Rundfunk das Potenzial von „Servus Baby“ – die Serie kam gut an, die Zuschauerzahlen sind hoch, weitere Folgen sind geplant. Die Miniserie ist nicht das neue „Sex and the City“. Man weiß auch gar nicht, ob sie das überhaupt sein will. München ist eben nicht New York.

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