Von der Planke gestoßen

Wie nennt man es, wenn 500 Menschen mit silbernen Haaren vom alten Eisen eine Kreuzfahrt machen? Genau, Silbereisen-Reisen. Es handelt sich hier explizit nicht um ein Fischer-Boot. Es ist ein Traumschiff.

Von Kevin Scheerschmidt

Von Kevin Scheerschmidt

Von Kevin Scheerschmidt

Kevin Scheerschmidt

Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft B.A. (2013-2018) in Frankfurt am Main und seit 2018 Theater-, Film- und Fernsehkritik in München. Berufung: Film! Motto: Filme müssen wenn möglich auf der großen Leinwand konsumiert werden. Egal ob kleinster Independent oder größter Blockbuster, jeder Film hat das Potential großartig sein zu können. Jeder Film verdient eine Chance.

Als die Nachricht publik wurde, dass Florian Silbereisen ab Dezember 2019 der neue Kapitän des „Traumschiffes“ wird, war die Aufregung groß. Vor allem in den deutschen Altersheimen und Hospizen. Hektisch wurde zu den Herztabletten gegriffen, um Infarkten vorzubeugen. Komapatienten schreckten hoch. Alte Menschen, die sich gegen eine Chemotherapie entschieden hatten, riefen sofort nach ihrem Arzt. Das muss man ja schließlich noch erleben, wenn der heilige Captain Florian die Brücke betritt und das Hauptsegel setzen lässt. Oder die Turbinen zündet. Ist ja auch egal, steuern tut ja ohnehin der echte Kapitän. Captain Florian muss ja nur so tun als ob. Er ist genauso wenig ein Seemann, wie er ein echter Schauspieler ist. Aber alles halb so schlimm. Oder gleich doppelt so gut. Denn Silbereisen-Reisen-CEO Silbereisen teilte der „Bild“-Zeitung mit: „Ich weiß, was ich kann. Für diese Aufmerksamkeit hätte ein Diplom-Schauspieler vermutlich kaum sorgen können.“ Ja, ehrlich! Wer braucht schon ausgebildete Schauspieler? Es geht ja um Aufmerksamkeit. Gutes Schauspiel will im ZDF doch eh keiner sehen.

Seit also vor einigen Tagen bekannt wurde, dass Florian Silbereisen der neue „Traumschiff“-Kapitän wird, gehen die Menschen zu Millionen auf die Straße. Nicht zum Protestieren. Sondern zur Arbeit. Zum Einkaufen. In die Schule. Oder Universität. Auf den Straßen ist spürbar, wie egal es den meisten Deutschen ist.

Nachdem ihm im Dezember seine „Silber-fischerin“, wie Silbereisen seine schöne Helena neckend nannte, vom Haken gegangen war, brauchte er dringend etwas, um nicht selbst über Bord zu gehen. Seinem Agenten sagte Silbereisen: „Ist mir scheißegal, zieh irgendeinen Job an Land. Ich bin nur so traurig wegen der Fischer.“ Der Agent hatte eine geniale Idee: „Wenn die Fischer schon nicht zu ihm kommen, dann schicke ich den Silbereisen halt zu den Fischern. Vom „Traumschiff“ kann er denen ganz unkompliziert zuwinken. So viele Fischer, davon hätte der Flo wohl kaum zu träumen gewagt. Der war richtig atemlos, als ich ihm das erzählt habe...“

Ein typisches Missverständnis. Und Fernsehdeutschland muss es ausbaden. Ich bin da raus. Kein Land in Sicht. Mann über Bord.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok