Der Bart ist ab

„Mein Bester & Ich“: Im amerikanischen Remake von „Ziemlich Beste Freunde“ versucht der Regisseur Neil Burger, den Humor der französischen Filmkomödie in die USA zu übertragen.

Von Kevin Scheerschmidt

Von Kevin Scheerschmidt

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Kevin Scheerschmidt

„Mein Bester & Ich“, der deutsche Synchrontitel des amerikanischen Films „The Upside“, klingt schon so, als habe jemand versucht, einen Titel zu finden, der „Ziemlich Beste Freunde“ sehr ähnlich ist. Und so ähnlich fühlt sich der gesamte Film an. Das amerikanische Remake des französischen Riesenerfolges, der 2012 in die deutschen Kinos kam, versucht nun sieben Jahre später von der guten Vorlage zu profitieren.

Wieder geht es um einen reichen, querschnittsgelähmten Geschäftsmann, der einen Ex-Häftling als Pfleger einstellt, weil dieser ihn nicht wie alle anderen mit dem typischen Mitleid behandelt. Wieder entwickelt sich zwischen den beiden mehr als nur ein Pfleger-Patient-Verhältnis. Wieder werden sie ziemlich beste Freunde.

Sowohl das Remake als auch die französische Version basieren auf dem Leben und der Freundschaft zwischen dem querschnittsgelähmten, französischen Geschäftsmann Philippe Pozzo di Borgo und dessen Pfleger Abdel Yasmin Sellou.

„Mein Bester & Ich“ fehlt es allerdings an jeglicher Originalität, der Film kopiert stattdessen die meisten Witze aus „Ziemlich Beste Freunde“ wie beispielsweise jene Szene, in der Driss dem gelähmten Philippe den Bart in verschiedene Formen schneidet. Man lacht zwar auch in „Mein Bester & Ich“ bei der beinahe identischen Kopie, aber trotzdem nur verhalten. Schließlich bekommt man einen Witz zum zweiten Mal erzählt, und auch noch deutlich weniger unterhaltsamer und schlechter vorgetragen.

Der von Kevin Hart gespielte Pfleger Dell Scott äußert sich zu Beginn des Films noch sexistisch und handelt ohne jeden Respekt. Am Ende hat sich sein Verhalten zum Guten gewandelt. Durch seinen Umgang mit dem von Bryan Cranston gespielten Phillip Lacasse und den Kontakt mit höheren gesellschaftlichen Kreisen scheint er geläutert zu werden. Aber ein für den Zuschauer nachvollziehbarer Charakterwandel hat nicht stattgefunden. Dafür fehlen Szenen, in denen deutlich würde, warum Dell sich nun anders verhält. Das wenig ausgearbeitete, verfremdete Verhältnis zu seinem Sohn dient als oberflächliche Motivation, fühlt sich aber weder realistisch noch nahbar an.

Der Film verlangt häufig vom Zuschauer, Dinge einfach hinzunehmen. Eine spürbare Chemie zwischen den Figuren ist selten vorhanden. Genau das machte „Ziemlich Beste Freunde“ zu einem Film, der die Zuschauer für sich einnehmen konnte. Kevin Hart und Bryan Cranston agieren zwar durchaus solide, aber im Zusammenspiel ihrer Figuren fehlt das entscheidende Etwas.

Hinzu kommt, dass Kevin Hart als kleingewachsener Schauspieler einen deutlichen Kontrast bildet zum fast schon übergroßen Omar Sy im Original. Dessen äußerliche Erscheinung wirkte fast schon bedrohlich, so groß thronte Driss über dem im Rollstuhl wehrlosen Philippe. Umso mehr konnte schließlich sein einfühlsames Verhalten den Zuschauer überraschen.

In einer weiteren Rolle ist Nicole Kidman zu sehen. Sie bleibt allerdings komplett blass und wirkt unterfordert. Ihre Figur Yvonne besitzt keine Backgroundstory, die einzige Information, die man bekommt, ist, dass sie schon seit Jahren an Phillips Seite ist und mittlerweile seine Firma leitet. Allerdings sieht man sie nie dabei. Sie ist immer nur für Phillip da, wenn Dell gerade etwas anderes zu tun hat. Sie könnte genauso gut ein weiterer Teil des Penthouse-Personals sein.

Unklar ist, was in diesem Penthouse eigentlich vor sich geht und wer genau alles dort wohnt. Physiotherapeutin, Köchin, Sicherheitsmann und Geschäftsführerin sind zufällig alle gemeinsam da, als der Pfleger Dell sein gemaltes Kunstwerk präsentiert. Dabei wirkte es kurz zuvor noch so, als sei die Wohnung nahezu leer. Die Logik folgt in solchen Szenen dem Film und nicht der Film der Logik. Auch nach Filmklischees brauch man in „Mein Bester & Ich“ nicht lange zu suchen. „Ich mache das nicht. Ich werde nicht Gleitschirmfliegen“, sagt Dell komplett überzeugt, nur um es in der nächsten Einstellung doch zu tun und es zu lieben.

Die Frage, warum man sich „Mein Bester & Ich“ ansehen sollte, wenn man „Ziemlich Beste Freunde“ kennt, bleibt unbeantwortet. Alles, was hinzugefügt oder abgeändert wird, ist unbedeutend. Die besten Witze sind die, die eins zu eins übernommen worden sind. Das ist nicht lustig.

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