Verbeugt Euch, Bitches!

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Stephanie van Batum widmet ihre Abschlussinszenierung an der Otto-Falckenberg-Schule einer Pop-Ikone – und ist damit zu Radikal jung am Münchner Volkstheater eingeladen.

Von Ella Tiemann

Von Ella Tiemann

Ella Tiemann

Geboren in München, laufen gelernt in langen Kunstakademie-Gängen, gespielt im väterlichen Theaterzelt. Dann Kleinstadtjugend an Seeufer und Bergfuß. Abitur, so irgendwie. Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und Kulturwissenschaften in Innsbruck und München. Faszination entdeckt, am Mikrofon zu sprechen (Radio M94.5), über die Münchner Kulturlandschaft zu bloggen (mucbook) und für ein internationales Ausstellungshaus zu kommunizieren (Haus der Kunst). Ständige Wegbegleiter: ein popfeministisches Magazin und ein Islandpferd.

„Diva, queen, sex bomb, mother, business woman, wife, feminist – #FLAWLESS.“ Was Beyoncé seit Jahren so viel besser gelingt als anderen weiblichen Popstars, ist ihre Selbstinszenierung als vollständige Frau. Die Meisterleistung dieser großen Unterhaltungskünstlerin ist weder ihr perfekt kontrolliertes, bestens vermarktbares Image, noch sind es ihre musikalischen Fähigkeiten. In einer Industrie, in der für jede Frau eine ganz bestimmte Rolle vorgesehen ist, spielt sie alle.

Auf den Alben der letzten Jahre verhandelt sie Freundschaft, Partnerschaft, Liebe – und wagt sich auch an größere Themen: Gleichberechtigung, Black Lives Matter. Mit dem Album „Beyoncé“ gab es 2013 seit langer Zeit mitten im Mainstream Popmusik, in der eine Frau ihre Sexualität glaubhaft  besingt. Keine Bondage-Fantasien, keine Abstürze mit Koks, keine Besäufnisse mit Champagner. Hier geht es um die sexuelle Beziehung zwischen einer Frau und einem Mann, die sich schon lange kennen und deren Sexualität sich durch die Geburt ihrer gemeinsamen Tochter verändert. Mit dem Album „Lemonade“ brach 2016 eine ungeahnte Wut über die Hörer herein. Es handelt von der Liebe schwarzer Frauen. Beyoncé verklärt diese Liebe nicht, sie besingt vor allem ihre dunkle Seite: das Aushalten vergifteter Beziehungen, rasende Eifersucht und daraus resultierende Schuldgefühle. „Lemonade“ ist Aufruhr und Wut. Aber das wirklich Große daran ist die Bereitschaft zur Versöhnung.

Was diese Frau vermag und was sie im Popkontext zu einer Ikone macht, ist, dass sie Bilder und Worte findet, die eine Erweiterung der politischen und erotischen Artikulation von Weiblichkeit sind. Dabei biedert sie sich nicht bei etablierten Protestbewegungen an, sondern zeigt eine mögliche neue Richtung für deren musikalisches Begleitprogramm auf.
Auch Stephanie van Batum gibt sich in ihrem Theater nicht nur mit einer Rolle zufrieden. Sie wechselt zwischen Spiel und Regie und damit von der einen auf die andere Seite. In „DON´T WORRY BE YONCÈ XS edition“ ist sie Performerin und Regisseurin zugleich. „Liberté, Egalité, Be Yoncé“ ist die Parole. Der Abend soll ein einfaches Tutorial sein, ein Step-by-Step-Programm zur Queen-B-Werdung. Ein bisschen mehr wie Beyoncé sein. „Das verdienen wir alle“, schreibt sie.